Übung macht den Meister

Seit Beginn der Pandemie hat sich ja ein Großteil des Lebens ins Internet verlagert, und das gilt ganz besonders auch für Veranstaltungen, bei denen Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenkommen – und professionelle Unterstützung bei der Kommunikation benötigen, also DolmetscherInnen.

Nachdem Veranstaltungen anfangs noch abgesagt oder verschoben wurde, passiert inzwischen vieles in Online-Meetings und auch hier mit Verdolmetschung, was für alle Beteiligten in vieler Hinsicht aufwendiger ist als bei Treffen vor Ort.

Und gerade für die DolmetscherInnen ist es nicht so einfach, v.a. wenn man nicht den Vorteil eines Hubs nutzen kann (also in einer tatsächlichen Kabine mit gewohnter Technik sitzt), sondern alleine von zu Hause aus arbeiten muss.

Wie gut, dass der Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) hier die Möglichkeit bietet, genau diese Einsatzform zu üben. Reale Bedingungen, inklusive der Vorbereitung, aber keine Kunden am anderen Ende, sondern (wenn man das möchte) Kolleginnen und Kollegen, die auch üben wollen. Und gestern Abend hatte ich nun Gelegenheit, an einer solchen Übungskonferenz teilzunehmen.

Vorher hatte man die Option sich anhand einer Liste eine Kabinenpartnerin zu suchen, was ich auch getan hatte. Wir hatten schon Anfang der Woche einen Probedurchlauf mit unserem Back Channel, also unserem Kommunikationskanal neben der Konferenzplattform, damit wir den Wechsel gut hinbekommen, auch wenn wir hunderte von Kilometern entfernt voneinander vorm PC sitzen.

Leider stellte sich dann bei der tatsächlichen Konferenz heraus, dass pro Kabine immer nur eine Person eingeteilt werden konnte, d.h. genau das kritische Wechseln konnten wir also nicht üben.

Trotzdem war es schön, auf dem Bildschirm die Kollegin zu sehen und zu chatten, sich gegenseitig anzufeuern und Feedback zu geben und zu bekommen. So war es trotz des Übens alleine ein bisschen so, als wäre man zu zweit beim Einsatz.

Außerdem hatte ich zusätzlich die Aufnahmefunktion auf meinem Handy an, damit ich mich danach auch selbst anhören konnte. Und es war gar nicht so übel wie befürchtet!

Ich habe ja schon ein paar Mal „in echt“ so gedolmetscht und fand es jedes Mal schwierig, mich in diesen Modus einzufinden.

Gestern Abend aber ging es trotz der relativ späten Stunde erstaunlich gut! Und das, obwohl die Redner ziemlich schnell sprachen und ich nicht so viel Zeit für die Vorbereitung gehabt hatte wie gehofft. Gegen Ende war es dann zwar schon ziemlich anstrengend, die erforderliche Konzentration aufzubringen, aber auch das ist ja eine Form der Übung.

Insgesamt war es eine tolle Sache, die ich nur empfehlen kann. Üben ist ja immer gut, aber so ist es ziemlich Praxis-nah – auch ohne Wechsel – und dadurch nochmal besser, finde ich.

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Anke Betz

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