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Von Quecksilber, Qualifikation und Qualität

Vor ein paar Wochen hat ein Kollege auf LinkedIn einen Beitrag veröffentlicht, der sehr gut veranschaulicht, warum die richtige Qualifikation so wichtig ist, wenn es um Sprachmittlung geht. In diesem konkreten Fall war sie mündlich, es ging also ums Dolmetschen, aber grundsätzlich gilt das auch für die schriftliche Übertragung (auch wenn man hier in der Regel viel mehr Zeit für die Übertragung von einer Sprache in die andere hat und Fehler leichter zu vermeiden sein sollten, aber das nur am Rande).

Kurz zusammengefasst geht es darum, dass ein Dolmetscher bei einer Pressekonferenz zur Lage an der Oder (massenhaftes Fischsterben) mit deutschen und polnischen Teilnehmern ein einziges, aber in diesem Kontext wichtiges Wort bei der Übertragung der Frage eines Journalisten nicht verwendet hat, nämlich „Quecksilber“. Als Folge verursachte die Antwort einen mittelgroßen Eklat in den (sozialen) Medien, bis jemand sich die Aufzeichnung nochmal anhörte und feststellte, dass das Quecksilber in der Verdolmetschung zu „ätzendem Wasser“ wurde.

Die politischen Wogen wurden wieder geglättet, aber es ist zu hoffen, dass die Kreise, die der Stein dieser fehlerhaften Verdolmetschung im Wasser verursachte, weitergehen, zumindest an den wichtigen und richtigen Stellen.

Denn es ist eben bei weitem nicht genug, zwei Sprachen zu beherrschen (wobei man sich auch über die Definition dieses Wortes trefflich streiten kann).

Wie es in dem Beitrag so schön formuliert ist:

Die Kenntnis der Sprache kann nur eine Voraussetzung [für das Dolmetschen] sein. Es ist so, als ob man weiß, wie man ein Auto fährt. Viel, aber nicht genug, um mit dem Auto in den Urlaub zu fahren.
Beim Dolmetschen geht es vor allem darum, keine Zeit zum Nachdenken, zum Reflektieren zu haben. Es ist ein Reflex. Es ist eine Entscheidung, hauptsächlich über die Wortwahl, die in einem Sekundenbruchteil getroffen wird. Es gibt keine Möglichkeit zur Konsultation und Korrektur. Es gibt niemanden, die einen frischen Blick darauf wirft und eventuelle Fehler entdeckt.

Es ist also unabdingbar, qualifizierte Dolmetscher (und Übersetzer) anzuheuern – und dass diese mit dem Thema vertraut sind und sich auch gut vorbereitet haben. Denn nur so ist auch das Ergebnis am Ende von guter Qualität.

Diese Fachleute zu finden, ist eigentlich auch gar nicht so schwer, auch wenn der Beruf kein geschützter ist. Ein Universitätsabschluss oder der Zusatz „staatlich geprüft“ sind schon mal ein Hinweis auf eine entsprechende Ausbildung, und (nicht nur) in Deutschland gibt es verschiedene Verbände, deren Mitglieder ihre Qualifikation nachweisen müssen, ehe sie aufgenommen werden, und die durchsuchbare Datenbanken haben.

Auch wenn es am Anfang vielleicht etwas mühsamer ist, bis man eine Liste guter und vertrauenswürdiger Dolmetscher und Übersetzer hat, es lohnt sich in jedem Fall! Die Kosten sind sonst unter Umständen langfristig nicht nur in finanzieller Hinsicht sehr hoch…

Foto von Ivan-balvan auf istockphoto.com

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