Sprachpanscher 2021

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan der deutschen Sprache bin – auch wenn ich gerne Englisch spreche (und es auch gerne unter Gleichgesinnten absichtlich verunglimpfe, aber das ist eine andere Geschichte…).

Ich bin aber ein genauso großer Fan davon, dass Menschen (möglichst korrekt) in ihrer Muttersprache sprechen, vor allem, wenn es wirklich wichtig ist, denn nur in der drücken wir uns am besten aus. Kommunikation ist ja schon in derselben Sprache schwer genug, warum also noch alles durch die Limitationen einer Fremdsprache verkomplizieren?

Entsprechend interessiert verfolge ich deshalb auch immer, wer vom Verein Deutsche Sprache (VDS) jedes Jahr mit deren Negativpreis „Sprachpanscher“ ausgezeichnet wird.

Dieses Jahr auf Platz 1: Ursula von der Leyen. Und das ist nicht das erste Mal, dass sie diesen Titel erhält – 2014 hatte sie ihn auch schon. Gelernt hat sie aber daraus scheinbar nicht, denn sie spricht immer noch lieber Englisch (oder gar Französisch) als Deutsch, die Sprache des Landes, das sie in der EU vertritt.

Es ist ja nicht so, dass sie es nicht gut könnte, aber dieser m.E. weit verbreitete Drang der Deutschen, ihr Englisch überall unter Beweis stellen zu wollen, gefällt mir nun einmal nicht.

Ich rede hier jetzt nicht vom Urlaub oder sonstigen privaten Situationen, sondern geschäftlichen, öffentlichen Anlässen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich als Dolmetscherin schon viel zu oft peinliche bis katastrophale Situationen erlebt habe, in denen jemand dachte „Das kann ich auch alleine auf Englisch“ – und dann ging es eben doch schief.

Wozu sind wir Profis denn da, wenn nicht, um sicherzustellen, dass auch genau das beim Gegenüber ankommt, was gemeint ist? Und eben nicht nur ungefähr oder grob, oder im schlimmsten Fall etwas komplett anderes.

Sprache ist so viel mehr als nur Wörter, die aneinander gereiht werden. Da stecken Geschichte, Geschichten, Erfahrungen, Kultur, Prägungen und so viel mehr dahinter, die sich eben nicht so einfach in eine andere Sprache übertragen lassen. Dazu braucht es am besten eine fundierte Ausbildung und viel Erfahrung.

Als Beispiel sei nur die banale Frage nach dem Wohlbefinden genannt, auf die Deutsche nun einmal ganz anders antworten als etwa Amerikaner oder Briten. Da können die Verhandlungen dann schon in die falsche Richtung gehen, bevor sie überhaupt offiziell angefangen haben…

Das nächste Mal also bitte nicht selbst versuchen – auch wenn Sie die Fremdsprache wirklich gut beherrschen -, sondern lieber die Profis ranlassen. (Zum Beispiel mich. 🙂 )

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Anke Betz

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