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Was uns Brezeln über Netzwerken erzählen

29. November 2015

Diese Woche war randvoll, u.a. mit einem dreitägigen Dolmetscheinsatz in Polen (?!), dem Besuch einer Freundin und eine Visite bei meinen Eltern, deswegen gibt es mal wieder einen Fremdbeitrag, der allerdings wirklich lesenswert ist. Ein Gastbeitrag von Jane Eggers, gefunden bei Petra Polk.

Ich brauche Brezeln! Das war mein erster Gedanke, als ich am Morgen
meines Ausstands aufwachte. Obwohl ich schon einiges an Kuchen gebacken
hatte, hatte ich auf einmal das Gefühl, es würde nicht reichen.

Also ging ich auf dem Weg zur Arbeit beim Bäcker vorbei, um zwei große Tüten Brezeln zu besorgen.

Nach der Party war fast nichts mehr vom Kuchen übrig. Dafür – man
ahnt es schon – zwei große Tüten Brezeln! Was tun? Da wir sie nicht alle
selbst essen konnten, habe ich meine Tochter geschnappt, und wir sind
von Haus zu Haus gegangen, um den Nachbarn Brezeln anzubieten.

Immer wieder klingeln und immer wieder meine Geschichte erzählen dürfen: Ja, ich habe heute Ausstand gefeiert … Ich mache mich selbstständig … Übersetzerin bin ich … Freue mich riesig …
Es fiel mir leicht, von meinem Vorhaben zu erzählen. Alle haben sich
über meine Begeisterung gefreut und natürlich auch über die Brezeln.

Wenn ich seitdem meine Nachbarn treffe, werde ich oft gefragt: Wie geht es denn mir Ihrer Selbstständigkeit? Läuft’s gut? Was macht das Geschäft?
Meine Nachbarn gehören meist nicht zu meiner Zielgruppe, aber ich bin
mir sicher, dass sie, wenn sie irgendwann einmal jemanden im
Bekanntenkreis haben, der eine Übersetzung braucht, an mich und meine
Brezeln denken werden.

Das war ja alles nicht geplant, aber ich habe an dem Tag eine Menge übers Netzwerken gelernt:

Ohne Verkaufserwartungen geht’s besser

Bei meinen Nachbarn hatte ich nicht die Erwartung, einen Auftrag zu
bekommen. Und so geht’s mir beim „richtigen“ Netzwerken auch: Ich habe
nicht das Ziel, direkt irgendetwas zu verkaufen. Mir geht es darum, ein
interessantes Gespräch zu führen und als Übersetzerin in Erinnerung zu
bleiben.

Biete etwas an, ohne eine Gegenleistung zu erwarten

In meinem Beispiel haben sich meine Nachbarn gefreut, etwas geschenkt
zu bekommen, und sie wollten neugierig erfahren, was dahintersteckt. So
haben sie mich danach gefragt, und ich konnte meine Geschichte
erzählen. Dabei muss es nicht unbedingt ein fassbares Geschenk sein –
ein Tipp oder eine Empfehlung gingen auch. Ich habe neulich einen
Musiker kennengelernt, der Stimmbildung macht. Da hat er gleich mit uns
ein paar Übungen gemacht, einfach so. Er bleibt mir deswegen in
Erinnerung.

Zeige deine Begeisterung

Als ich mit den Brezeln herumgegangen bin, war es nur noch kurze Zeit
bis zum letzten Tag im alten Job. Deswegen war ich sehr glücklich und
habe so aufgeregt von meinen Plänen erzählt. Natürlich war das in meinem
Fall eine glückliche Fügung, aber man kann auch ohne einen solchen
Zufall versuchen, sich zu zeigen. Im April war ich auf der Musikmesse in
Frankfurt. Mein bestes Gespräch hatte ich, als ich einfach an einem
Stand einem spontanen Mini-Konzert zuhörte. Die Verkäuferin stand neben
mir und wir haben uns angelächelt, weil die Musik so toll war. So hatten
wir eine Verbindung und kamen auf ganz natürliche, entspannte Weise ins
Gespräch. Wenn man Begeisterung für ein Thema ausstrahlt, geht das
Netzwerken wie von selbst.

Lass dir etwas einfallen


Dein Ziel ist, in Erinnerung zu bleiben – das ist besonders
wichtig in Situationen, wo viele Leute nacheinander vorstellen, was sie
tun. Auf einer Veranstaltung hat sich zum Beispiel eine Bekannte einmal
als Anspielung auf ihre Kochschule einen Kochlöffel in die Haare
gesteckt, eine andere wählt Kleidung in der Farbe, die im Namen ihres
Unternehmens vorkommt. Solche Sachen heben dich von der Menge ab.

Wenn du also locker auftrittst, dich ein bisschen von den anderen
unterscheidest und deine Begeisterung zeigst, wird das Netzwerken – auch
ohne Brezeln – zum schönen Erlebnis.

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