{"id":9839,"date":"2016-05-13T17:33:00","date_gmt":"2016-05-13T17:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/musik.a-z-translation.com\/sind-wir-unsichtbar\/"},"modified":"2020-01-03T11:36:38","modified_gmt":"2020-01-03T11:36:38","slug":"sind-wir-unsichtbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/sind-wir-unsichtbar\/","title":{"rendered":"Sind wir unsichtbar?"},"content":{"rendered":"<p>Hier ist ein sehr interessantes Interview von der <a href=\"http:\/\/www.krimi-couch.de\/krimis\/uebersetzer.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Krimi-Couch<\/a> mit vier \u00dcbersetzern zu ihrer Rolle und wie sie gesehen werden &#8211; oder eben nicht (etwas l\u00e4nger, aber gut!):<\/p>\n<div id=\"content-container\">\n<div id=\"content\">\n<h1>\n    Unbedeutend, unterbezahlt, unsichtbar?<br \/>\n<\/h1>\n<h2>\n    Die Krimi-Couch im Gespr\u00e4ch mit den \u00dcbersetzerInnen Pieke Biermann, Susanna Mende, J\u00fcrgen B\u00fcrger und Peter Friedrich<br \/>\n<\/h2>\n<p><i><b class=\"quest\">Krimi-Couch.de<\/b>: Herr Friedrich,<br \/>\nauf Ihrer Website schreiben Sie, dass eine gute \u00dcbersetzung in<br \/>\nBuchbesprechungen selten erw\u00e4hnt wird, bei einer schlechten der<br \/>\n\u00dcbersetzer aber schon die Kritik zu sp\u00fcren bekommt. Geh\u00f6ren Sie vier<br \/>\neiner verkannten Zunft an?<\/i><br \/>\n<\/p>\n<div id=\"ibr\" style=\"width: 150px;\">\n<\/div>\n<p><b class=\"resp\">J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>: JA! In den ersten<br \/>\nJahren meiner \u00dcbersetzert\u00e4tigkeit neigte ich noch zu einem milden<br \/>\nL\u00e4cheln, wenn unter Kollegen \u00fcber den beschriebenen Sachverhalt geklagt<br \/>\nwurde&nbsp;\u2013 und dachte: Was f\u00fcr ein bl\u00f6des Gejammer.<br \/>\n<br \/>\nSehe ich heute aber eine Sendung wie \u00bbLesen!\u00ab von Frau Seidenweich<br \/>\n(zur Seite gesprochen: Frau Leidenteich steht nicht auf Krimis) und<br \/>\nh\u00f6re, wie man sich nachgerade verliert in preisenden Erg\u00fcssen \u00fcber<br \/>\nwundersch\u00f6ne, kreative, ja geniale Formulierungen und Erz\u00e4hlkunst dieses<br \/>\n oder jenes Autoren\/Autorin, ohne auch nur im klitzekleinsten Nebensatz<br \/>\ndurchschimmern zu lassen, man <i>wisse<\/i> um und <i>sch\u00e4tze<\/i> die<br \/>\n Arbeit jener, die dem Leser deutscher Ausgaben solch literarisch<br \/>\nverursachte Absencen \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichen (denn immerhin: hier und<br \/>\n an anderen Stellen, an denen Literaturkritik stattfindet, ist in aller<br \/>\nRegel die deutsche Version Gegenstand der Betrachtung, eben nicht die<br \/>\nOriginalausgabe), dann werde ich schon mal zornig. Und f\u00fchle mich als<br \/>\nAngeh\u00f6riger einer \u00bbverkannten Zunft\u00ab. Und wei\u00df doch auch, dies ist ja<br \/>\nnur die Spitze des Eisbergs.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Peter Friedrich<\/b>: Nein, ich f\u00fchle mich<br \/>\nnicht als Angeh\u00f6riger einer verkannten Zunft! Dazu m\u00fcsste man uns<br \/>\n\u00dcbersetzer doch erst mal zur Kenntnis nehmen. Wir sind leider in einer<br \/>\n\u00e4hnlichen Position wie die Drehbuchautoren bei Film und Fernsehen&nbsp;\u2013<br \/>\nunsichtbar. Vielleicht mit dem Unterschied, dass die f\u00fcr ihr<br \/>\nSchattendasein besser bezahlt werden.<br \/>\n<\/p>\n<div class=\"lsubheadline\">\n<h3>\n    Peter Friedrich:\u00bbMan m\u00fcsste uns \u00dcbersetzer \u00fcberhaupt erstmal zur Kenntnis nehmen!\u00ab<br \/>\n<\/h3>\n<\/div>\n<p>K\u00fcrzlich hat mich jemand ganz ernsthaft gefragt, was ich als<br \/>\n\u00dcbersetzer denn so mache, schlie\u00dflich gebe es daf\u00fcr doch inzwischen<br \/>\nComputer. Was soll man da gro\u00df sagen? Aber bei Elke Heidenreich&nbsp;\u2013 da<br \/>\nJ\u00fcrgen B\u00fcrger sie erw\u00e4hnt hat -, da werde ich wirklich sauer. Wenn man<br \/>\nschon seine Br\u00f6tchen mit einer Show \u00fcber Literatur verdient, sollte man<br \/>\nvielleicht das Fingerspitzengef\u00fchl haben, diejenigen zu erw\u00e4hnen, die<br \/>\ndiese Show erst m\u00f6glich gemacht haben. Und das sind eben nicht nur die<br \/>\nAutoren und das ZDF. Im Grunde ist es mir aber ziemlich egal, ob ich in<br \/>\neiner Kritik erw\u00e4hnt werde oder nicht. Wird der Stil ger\u00fchmt, beziehe<br \/>\nich das einfach auf mich. Ich glaube nicht, dass jemals ein Buch wegen<br \/>\ndes \u00dcbersetzers gekauft werden wird. Bekommt man mehr Auftr\u00e4ge bei guten<br \/>\n Kritiken? W\u00fcrde man welche verlieren bei schlechten? Keine Ahnung.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>: Es war einmal, da<br \/>\ndachte ich, wenn Du erst im \u00bbgro\u00dfen\u00ab Feuilleton erw\u00e4hnt wirst, dann<br \/>\nwissen das nat\u00fcrlich auch sofort alle Lektoren dieser und anderer<br \/>\nWelten, und je nachdem hagelt\u2019s nur so hoch dotierte Auftr\u00e4ge. Leider<br \/>\nnur getr\u00e4umt. Gerade in den letzten paar Jahren hatte ich mehrere<br \/>\nangenehmste Erw\u00e4hnungen in Zeit, FAZ und Co., aber darauf nicht ein<br \/>\nneuer Auftrag, gar nicht zu reden von gr\u00f6\u00dferer Bereitschaft, meinen<br \/>\nHonorarvorstellungen entgegenzukommen. Im Gegenteil wird zunehmend<br \/>\nmassiver&nbsp;\u2013 gleichwohl das nichts mit \u00bbguten Kritiken\u00ab zu tun hat&nbsp;\u2013 auf<br \/>\ndie Preise gedr\u00fcckt.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Pieke Biermann<\/b>: Es gibt ein<br \/>\nGrunddilemma beim \u00dcbersetzen, f\u00fcr das weder Rezensenten noch Verleger<br \/>\nnoch gar \u00dcbersetzer selbst verantwortlich sind: \u00dcbersetzen ist wie<br \/>\nHausarbeit, es ist dann gut, wenn es <i>nicht<\/i> auff\u00e4llt. Wenn ich beim Lesen vergessen darf, dass das Buch urspr\u00fcnglich <i>nicht<\/i> auf Deutsch verfasst wurde, dann ziehe ich mein UNO-Basecap vor dem\/der \u00dcbersetzerIn.<br \/>\n<br \/>\nZweitens: Wenn ich mich verkannt f\u00fchle, hat das oft mit der<br \/>\nTagesform zu tun. Gibt so Tage, an denen ist mir wurscht, ob<br \/>\nirgendwelche \u00bbterti\u00e4ren Analphabeten\u00ab (vulgo: Literaturvermittler,<br \/>\nRezensenten usw.) mich nun wahrnehmen oder nicht. An anderen nehme ich<br \/>\nschon \u00fcbel, wenn sie mich zwar lautstark loben, aber nicht mal den Namen<br \/>\n richtig abschreiben (lassen).<br \/>\n<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich finde ich es eigentlich nicht der Rede wert, weil <i>selbstverst\u00e4ndlich<\/i>, dass \u00dcbersetzerInnen erstens genannt und zweitens kritisch gew\u00fcrdigt werden. Betonung auf <i>kritisch<\/i>!<br \/>\n Denn \u00dcbersetzerInnen haben mit den Ur-UrheberInnen (vulgo: AutorInnen)<br \/>\neins gemeinsam: Beide produzieren auch eine Menge Mist. Ich wei\u00df das,<br \/>\nich bin in beiden Abteilungen aktiv.<br \/>\n<br \/>\nWas mich allerdings richtig nervt&nbsp;\u2013 here comes the twist!&nbsp;\u2013 sind<br \/>\nVerleger und deren Redakteure\/Lektoren\/Buchhalter (bitte auch die alle<br \/>\nin Innen-Form denken!), die wider besseres Rechnen ausgerechnet mit<br \/>\nsolchen \u00dcbersetzern um Pfennige feilschen, die ihnen dank korrektur- und<br \/>\n kontrollarmer Arbeit gro\u00dfe Folgekosten ersparen! Die eine\/n, mit<br \/>\nanderen Worten, behandeln wie irgendwelche unbedeutenden Zulieferer. Ich<br \/>\n glaube, da liegt der F\u00f6tus des Hasen im Pfeffer&nbsp;\u2013 der ausgewachsene<br \/>\nHase ist dann der nirgends besonders erw\u00e4hnte Name des \u00dcbersetzers in<br \/>\nden nachfolgenden Medien.<br \/>\n<br \/>\nNach meinem Verst\u00e4ndnis von \u00d6konomie und Gesellschaft w\u00e4re schon<br \/>\nviel gewonnen, wenn Verlagsmenschen ihre \u00dcbersetzungsmenschen mindestens<br \/>\n mal so sehen w\u00fcrden wie ein patriarchalischer Haushaltsvorstand die<br \/>\nArbeit seiner Gattin: Die wird zwar bislang gar nicht bezahlt, aber<br \/>\nkluge Patriarchen wussten wenigstens immer schon, dass sie ohne beide<br \/>\n(die Gattin wie deren Arbeit) gar nichts w\u00e4ren, und&nbsp;\u2013 \u00fcberlie\u00dfen<br \/>\nersterer Zugang zum Konto.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>: Pieke, wie Zulieferer,<br \/>\ndie man wirtschaftlich ruhig mal an die Wand dr\u00fccken kann. Zitat einer<br \/>\n(mehr oder weniger bekannten dt. Verlegerin): \u00bbNun, es zwingt Sie ja<br \/>\nniemand, diesen Beruf auszu\u00fcben.\u00ab Dies auf meinen Vorschlag, doch f\u00fcr<br \/>\ngute Arbeit ein wenig Anpassung an seit \u00fcber zehn Jahren eingefrorenen<br \/>\nHonoraren vorzunehmen. Auch sch\u00f6n sind die trickreichen Versuche, andere<br \/>\n Abrechnungsmodalit\u00e4ten jenseits der ber\u00fchmten Normseite zu finden. Da<br \/>\nschrumpelt so eine \u00bbNormseite\u00ab dann schon mal gern um 30 Prozent ein.<br \/>\nJ\u00fcngst erst hatte ich wieder so eine Debatte, was mich dann am Ende&nbsp;\u2013<br \/>\ndenn ich stehe nicht am Ende der Nahrungskette&nbsp;\u2013 locker mal 1000 Euronen<br \/>\n kostete. \u00bbWir bewegen uns ja jetzt auf Augenh\u00f6he\u00ab, so die bereits<br \/>\nzitierte Verlegerin weiter, \u00bbwenn wir Preise aushandeln. Von wegen dem<br \/>\nneuen Urheberrecht.\u00ab Ja, ja, das sehe ich auch so. Auf H\u00fchneraugenh\u00f6he.<br \/>\n<\/p>\n<div class=\"rsubheadline\">\n<h3>\n    J\u00fcrgen B\u00fcrger: \u00bbIch bin diese Pseudo-Verleger, die oft noch nicht mal gute Unternehmer sind, so satt.\u00ab<br \/>\n<\/h3>\n<\/div>\n<p>Apropos Urheberrecht&nbsp;\u2013 wieso handhaben wir\u2019s nicht z.B. wie die<br \/>\nFotojournalisten bzw. Berufsfotografen? Ich r\u00e4ume einem Verlag ein<br \/>\nNutzungsrecht f\u00fcr einen bestimmten Zweck ein (Erst-Ver\u00f6ffentlichung,<br \/>\nmeinetwegen auch noch Zweitver\u00f6ffentlichung als Taschenbuch, nat\u00fcrlich<br \/>\ngegen angemessen Beteiligung). Alles weitere&nbsp;\u2013 Lizenzverkauf, Rundfunk-<br \/>\nund Fernsehrecht usw. usf., eben die Nebenrechte&nbsp;\u2013 bleiben zuk\u00fcnftig bei<br \/>\n mir und werden bei Bedarf gegen Bares gegeben. Ich glaube, ich werde<br \/>\ndas in Zukunft versch\u00e4rft in Vertragsverhandlungen einbauen. Ich bin<br \/>\ndiese Pseudo-Verleger, die oft noch nicht mal gute Unternehmer sind, so<br \/>\nsatt. Wenn das Buch denn nichts als eine Ware wie Millionen andere ist,<br \/>\ndann will ich auch eine angemessene Bezahlung daf\u00fcr. Es kann ja wohl<br \/>\nnicht sein, dass ausgerechnet unser Anteil an den Produktionskosten der<br \/>\nWare Buch auf immerdar als Konstante dasteht, w\u00e4hrend inzwischen f\u00fcr<br \/>\njeden Schei\u00df Stundenl\u00f6hne berechnet werden, von denen ich in meiner<br \/>\n\u00dcbersetzer-Persona nur tr\u00e4umen kann.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Peter Friedrich<\/b>: Das wurmt nat\u00fcrlich, aber wir <i>sind<\/i><br \/>\n nur unbedeutende Zulieferer, \u00f6konomisch betrachtet, solange die gute<br \/>\noder schlechte \u00dcbersetzung sich herzlich wenig auf den Verkaufserfolg<br \/>\neines Buches auswirkt. Und hier sind schon die \u00bbnachfolgenden Medien\u00ab<br \/>\ngefragt, die Existenz des \u00dcbersetzers \u00fcberhaupt mal in den Blickpunkt zu<br \/>\n r\u00fccken. Denn, wie du treffend gesagt hast, eine wirklich gute<br \/>\n\u00dcbersetzung merkt man daran, dass man sie nicht merkt. Aber mit<br \/>\nNamensnennungen ist es nicht getan. Da m\u00fcsste sich schon am Bild des<br \/>\nliterarischen \u00dcbersetzers in der \u00d6ffentlichkeit etwas \u00e4ndern. Dass er<br \/>\neben etwas ganz anderes tut, als nach irgendeiner Formel eins zu eins<br \/>\nvon Sprache A nach Sprache B umzurechnen. Packen wir\u2019s an.<br \/>\n<\/p>\n<div id=\"ibl\" style=\"width: 150px;\">\n<\/div>\n<p><b class=\"resp\">Susanna Mende<\/b>: Beim Thema<br \/>\n\u00bbNachhaltigkeit\u00ab der Verlage im Umgang mit \u00dcbersetzern muss ich Pieke<br \/>\naus ganzem Herzen zustimmen. Es ist wirklich unverst\u00e4ndlich, wie ein<br \/>\nVerlag, der mit einem \u00dcbersetzer gute Erfahrungen gemacht hat, beim<br \/>\nn\u00e4chsten Mal trotzdem zu einem \u00bbBilliganbieter\u00ab greift. Es war sogar<br \/>\neinmal der Verleger selbst, der zu mir gesagt hat \u00bbentweder man hat mit<br \/>\neiner \u00dcbersetzung noch drei Tage Arbeit oder f\u00fcnf Wochen\u00ab. Und aus einer<br \/>\n schlechten \u00dcbersetzung kann man nie eine gute machen, trotz vieler<br \/>\nunbezahlter \u00dcberstunden von Lektoren.<br \/>\n<\/p>\n<div class=\"rsubheadline\">\n<h3>\n    Susanna Mende: Solange wir den Dumpingpreisen von \u00bbBilliganbietern\u00ab ausgesetzt sind, wird es nur Einzelnen gelingen, w\u00fcrdig davon zu leben.<br \/>\n<\/h3>\n<\/div>\n<p>Was eine Verbesserung der Honorierung angeht, bin ich nur ged\u00e4mpft<br \/>\noptimistisch. Da liegt noch ein harter und steiniger Weg vor uns. Mit<br \/>\nder Urheberrechtsnovellierung ist ein Anfang gemacht, aber den<br \/>\nGespr\u00e4chen mit Verbandskollegen, die sich daf\u00fcr m\u00e4chtig ins Zeug gelegt<br \/>\nhaben, entnehme ich, dass die \u00dcbersetzer eine Art Lobbyarbeit machen<br \/>\nm\u00fcssen. Leider sind wir nicht so m\u00e4chtig, wie die Agrarverb\u00e4nde (vom<br \/>\nLesen schlechter \u00dcbersetzungen bekommt man nun einmal keinen D\u00fcnnpfiff,<br \/>\nsonst w\u00e4re l\u00e4ngst ein Verbraucherschutz f\u00fcr Leser f\u00e4llig). Ansonsten<br \/>\ngilt eben das Gesetz von Angebot und Nachfrage, und solange wir den<br \/>\nDumpingpreisen von \u00bbBilliganbietern\u00ab ausgesetzt sind, wird es nur<br \/>\nEinzelnen gelingen, w\u00fcrdig davon zu leben.<br \/>\n<br \/>\nInnerhalb dieses ged\u00e4mpften Erwartungshorizonts habe ich pers\u00f6nlich<br \/>\nallerdings einen kleinen Sprung nach vorne gemacht, seit ich von einem<br \/>\nAgenten betreut werde (seit Anfang des Jahres gibt es n\u00e4mlich die erste<br \/>\ndeutsche Agentur f\u00fcr Literatur\u00fcbersetzer). Meine Lebensqualit\u00e4t hat sich<br \/>\n merklich verbessert, seit ich nicht mehr pers\u00f6nlich mit Verlegern \u00fcber<br \/>\nGeld reden muss&nbsp;\u2013 und, siehe da, die vertragliche Situation ebenfalls.<br \/>\n<br \/>\n<i><b class=\"quest\">Krimi-Couch<\/b>: Einige Schwarze<br \/>\nPeter haben Sie jetzt schon verteilt&nbsp;\u2013 doch woran kann der \u00bbnormale<br \/>\nLeser\u00ab \u00fcberhaupt merken, ob es sich bei dem, was er gerade liest, um<br \/>\neine gute \u00dcbersetzung handelt, wenn er nicht gerade das Original zur<br \/>\nHand hat? Was ist, wenn der Stil im Original schon zu w\u00fcnschen \u00fcbrig<br \/>\nlie\u00df? Darf oder muss ein \u00dcbersetzer aus schlechtem Englisch (Spanisch,<br \/>\nFranz\u00f6sisch, Italienisch) gutes Deutsch machen?<\/i><br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>: Darf er? Muss er?<br \/>\nZun\u00e4chst mal: D\u00fcrfen wem gegen\u00fcber? Darf man es dem Autoren des<br \/>\nsprachlich eher schlechten Originals gegen\u00fcber oder ist man dem<br \/>\nzuk\u00fcnftigen Leser der \u00dcbertragung \u00bbgutes Deutsch\u00ab schuldig?<br \/>\n<br \/>\nK\u00f6nnte ja sein, dass das, sagen wir, schlechte Englisch absichtlich<br \/>\nschlechtes Englisch ist. Dann darf der \u00dcbersetzer nicht, finde ich. Zum<br \/>\nBeispiel w\u00fcrde sicher manch einer sagen, dass die Sprache von Victor<br \/>\nHeadleys Yardie-Romanen schlechtes Englisch ist&nbsp;\u2013 weil die Akteure<br \/>\nn\u00e4mlich \u00fcberhaupt kein \u00bbgutes Englisch\u00ab sprechen k\u00f6nnen! Ich habe das<br \/>\ndamals so gelassen. Meine \u00dcbertragungen sind kein gutes Deutsch. Wurde<br \/>\nmir auch in Kritiken vorgeworfen. Aber: F\u00fcr mich war das ein fester<br \/>\nBestandteil der (literarisch gesehen: guten) Romane.<br \/>\n<br \/>\nIch bin nun kein Literaturwissenschaftler, daher fehlt mir die<br \/>\nTerminologie; sag ich\u2019s mal mit meinen ungebildeten Worten: Man merkt<br \/>\ndoch, ob und wenn ein Autor erz\u00e4hlen kann; man erkennt, in welchem<br \/>\nKontext \u00bbschlechte Sprache\u00ab stattfindet. Ist es Stilmittel, ist es<br \/>\nwichtig ob der Authentizit\u00e4t (Slang! Ich denke gerade auch an<br \/>\nafro-amerikanische Literatur aus den Siebzigern, angesiedelt im<br \/>\nZuh\u00e4lter- und Knast-Milieu &#8230;) oder ist es vielleicht gar nicht<br \/>\nwichtig, weil der erz\u00e4hlerische Impetus einfach da ist?! Wenn dann mal<br \/>\nein Satz, eine Formulierung im Original in die Hose gegangen ist&nbsp;\u2013 das<br \/>\npassiert jedem, glaube ich, auch dem gr\u00f6\u00dften Romancier -, dann<br \/>\n\u00bbkorrigiert\u00ab der \u00dcbersetzer so was&nbsp;\u2013 ggf. und vorzugsweise nach<br \/>\nR\u00fccksprache mit dem Autoren<br \/>\n<br \/>\nTja, und dann sind da solche B\u00fccher, bei denen wei\u00df man, dass mehr<br \/>\nfehlt als nur eine formale Beherrschung der Quellsprache. Da fehlt das<br \/>\nerz\u00e4hlerische Talent, die Inspiration, das magische H\u00e4ndchen, eine<br \/>\nGeschichte von A bis Z erz\u00e4hlen und im Kopf des Lesers eine Welt, ein<br \/>\nUniversum entstehen lassen zu k\u00f6nnen. Okay, ich h\u00f6re den Einwand. Dies<br \/>\nUrteil ist nat\u00fcrlich ein subjektives. Um so was dann stilistisch und<br \/>\nsprachlich in \u00bbgutes Deutsch\u00ab zu trimmen, ist weniger \u00fcbersetzerisches<br \/>\nGeschick erforderlich als vielmehr echtes erz\u00e4hlerisches Talent. Da<br \/>\nfrage ich mich aber, was das dann noch mit \u00bb\u00dcbersetzen\u00ab zu tun hat. Ist<br \/>\ndann eher wie beim Film: \u00bbBasierend auf einer Idee von xyz.\u00ab<br \/>\n<\/p>\n<div class=\"lsubheadline\">\n<h3>\n    J\u00fcrgen B\u00fcrger: \u00bbGelange ich zu dem subjektiven Urteil, dass in einem \u00abschlechten\u00bb Buch zumindest eine originelle Idee steckt, die es wert ist, gelesen zu werden, bin ich bereit, sprachlich zu feilen.\u00ab<br \/>\n<\/h3>\n<\/div>\n<p>Will\u2019s mal so sagen: Gelange ich zu dem subjektiven Urteil, dass in<br \/>\neinem \u00bbschlechten\u00ab Buch zumindest eine originelle Idee steckt, die es<br \/>\nwert ist (schon wieder!), gelesen zu werden, bin ich bereit, sprachlich<br \/>\nzu feilen. Wenn nicht, dann nicht. Das geht dann aber auch wie von<br \/>\nselbst&nbsp;\u2013 beim Prozess des \u00dcbersetzens f\u00fchrt der Ur-Autor quasi des<br \/>\n\u00dcbersetzers H\u00e4ndchen&nbsp;\u2026Man h\u00f6rt ja bisweilen, dass es nicht wenige<br \/>\n\u00dcbersetzungen gibt, die \u00bbbesser\u00ab sind als das Original. Kann schon sein.<br \/>\n (Andererseits: Wenn ein Verlag eine Lizenz einkauft, muss der\/die<br \/>\nVerantwortliche wissen, warum er\/sie das macht. Wenn\u2019s denn ein<br \/>\n\u00bbschlechtes Buch\u00ab ist, soll\u2019s ruhig auch in der \u00dcbertragung ein<br \/>\nschlechtes Buch bleiben. Diese Verantwortung ist nicht die des<br \/>\n\u00dcbersetzers&nbsp;\u2013 er kann allerdings so einen Auftrag ablehnen.)<br \/>\n<br \/>\nWoran der \u00bbnormale Leser\u00ab \u00fcberhaupt merken kann, ob es sich bei dem,<br \/>\n was er gerade liest, um eine gute \u00dcbersetzung handelt, wenn er nicht<br \/>\ngerade das Original zur Hand hat? Da m\u00f6chte ich an Piekes fr\u00fchere<br \/>\nAntwort erinnern&nbsp;\u2013 wenn\u2019s wirklich richtig gut ist, dann merkt\u2019s keiner.<br \/>\n Der Leser bleibt nicht \u00bbh\u00e4ngen\u00ab an holprigen S\u00e4tzen und schiefen<br \/>\nBildern&nbsp;\u2026Auch eine gewisse Zeitlosigkeit zeichnet m.E. eine gute<br \/>\n\u00dcbersetzung aus. Erika Fuchsens Mickey Maus-\u00dcbersetzungen. Eher weniger<br \/>\ngelungen sind solche \u00dcbertragungen, bei denen man das Gef\u00fchl hat, arg<br \/>\nangestaubtes Zeugs zu lesen&nbsp;\u2013 viele Krimi\u00fcbersetzungen aus den 50er und<br \/>\n60er Jahren sind so.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Peter Friedrich<\/b>: Das Dilemma, das dem<br \/>\nLeser eine gute \u00dcbersetzung eben nicht auffallen darf, wurde ja schon<br \/>\nmehrfach angesprochen. Was er bemerken kann, ist das erz\u00e4hlerische<br \/>\nTalent des \u00dcbersetzers, das dieser nat\u00fcrlich in den Dienst des Originals<br \/>\n stellen muss. Meistens ist das ein Drahtseilakt.<br \/>\n<br \/>\nOb man ein stilistisch m\u00e4\u00dfiges Original werkgetreu \u00fcbersetzen muss<br \/>\noder darf oder lieber \u00bbbesserschreibt\u00ab ist eine gute Frage, doch nur im<br \/>\nEinzelfall zu entscheiden. Aus aktuellem Anlass: W\u00fcrde man Stefan<br \/>\nEffenbergs Biografie bei der \u00dcbersetzung stilistisch verbessern wollen?<br \/>\nAber wenn ein Verlag sich davon h\u00f6here Absatzzahlen verspricht, steigen<br \/>\nvermutlich die Tantiemen f\u00fcr Autor und \u00dcbersetzer und alle sind<br \/>\ngl\u00fccklich. \u00dcbrigens funktioniert die Sache auch in die andere Richtung.<br \/>\nEin englischer Autor hat mir erz\u00e4hlt, dass seine Romane f\u00fcr den<br \/>\namerikansichen Markt stilistisch vereinfacht wurden, weil irgendjemand<br \/>\nanscheinend herausgefunden hat, dass der durchschnittliche amerikanische<br \/>\n Leser einen geringeren Wortschatz hat als der englische.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>: Zumindest in meinen<br \/>\nVertr\u00e4gen findet sich irgendwo immer ein Passus wie: \u00bb&nbsp;\u2026Der \u00dcbersetzer<br \/>\nverpflichtet sich, die Urheberpers\u00f6nlichkeitsrechte des Originalautors<br \/>\nzu wahren.\u00ab Und: \u00bb&nbsp;\u2026Der \u00dcbersetzer verpflichtet sich, das Werk ohne<br \/>\nK\u00fcrzungen, Zus\u00e4tze und sonstige Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcber dem Original in<br \/>\nangemessener Weise zu \u00fcbertragen.\u00ab<br \/>\n<br \/>\nNun l\u00e4sst sich zwar munter dar\u00fcber debattieren, was genau \u00bbin<br \/>\nangemessener Weise\u00ab bedeutet, allerdings hab ich\u2019s irgendwie mit den<br \/>\n\u00bbUrheberpers\u00f6nlichkeitsrechten\u00ab. Und das bedeutet, dass ich zun\u00e4chst mal<br \/>\n ein Werk so nehme, wie ich es zur \u00dcbersetzung vorgelegt bekomme. Der<br \/>\nAutor wird sich schon was dabei gedacht haben, wie er mit Stil und<br \/>\nSprache umgeht. Also beharre ich erst mal darauf, das Ding im Deutschen<br \/>\nso originalgetreu es eben geht zu bringen. Dies schlie\u00dft eine<br \/>\nsprachliche wie stilistische \u00bbVereinfachung\u00ab aufgrund von Mutma\u00dfungen<br \/>\nirgendwelcher Leute (Verleger, Lektoren) \u00fcber den vermeintlichen oder<br \/>\ntats\u00e4chlichen Wortschatz u.\u00e4. der avisierten Leserschaft aus.<br \/>\n<br \/>\nVon einem Kollegen wei\u00df ich, dass es gleichwohl auch in Deutschland<br \/>\nVerlage gibt, die erheblichen Wert auf Vereinfachung legen. Tja, damit<br \/>\nhat man dann als \u00dcbersetzer Diskussionsstoff mit dem Lektorat, denn die<br \/>\nWelt ist Gott sei Dank nicht immer so stromlinienf\u00f6rmig glatt poliert,<br \/>\nwie\u2019s manche Verdummungsindustrie gern h\u00e4tte&nbsp;\u2026<br \/>\n<b class=\"resp\">Peter Friedrich<\/b>: Was das Vereinfachen<br \/>\nangeht, bin ich ganz deiner Meinung. Aber was ist, wenn der \u00bbschlechte\u00ab<br \/>\nStil des Originals nicht selbst ein Stilmittel ist? Ich k\u00f6nnte mir<br \/>\nvorstellen, dass ich mich dem Autor gegen\u00fcber verpflichtet f\u00fchlen w\u00fcrde,<br \/>\n das in gutes Deutsch zu \u00fcbertragen. Zu seinem wie meinem Vorteil.<br \/>\nVielleicht ist es ein unglaublich guter Plot, um den es einfach schade<br \/>\nw\u00e4re. In Absprache mit dem Autor h\u00e4tte ich da keine Probleme. Das mit<br \/>\ndem \u00bbschlechten Stil\u00ab w\u00fcrde ich allerdings etwas diplomatischer<br \/>\nverpacken.<br \/>\n<\/p>\n<div id=\"ibr\" style=\"width: 150px;\">\n<\/div>\n<p><b class=\"resp\">Pieke Biermann<\/b>: \u00bbNormale Leser\u00ab merken<br \/>\n \u00fcberhaupt nicht, ob ein \u00dcbersetzer \u00bbeinen Mord begangen oder blo\u00df eine<br \/>\nLeiche fotografiert hat\u00ab (Tucho \u00fcber die Goyertsche<br \/>\nJoyce\/Ulysses-\u00dcbersetzung). Die WOLLEN auch nur merken, ob ein Buch gut<br \/>\noder schlecht ist. Zurecht. Aber da gehen bekanntlich die<br \/>\nOszillationsf\u00e4cher auf. Und viel, viel ist subjektiv. Soll auch so sein.<br \/>\n Deshalb ist ein \u00bbnormaler Leser\u00ab noch lange kein dummer Leser.<br \/>\n<br \/>\nZur zweiten Frage: Ich seh das genau so wie J\u00fcrgen und Peter. Ich<br \/>\nbin geradezu nibelungentreu, glaub ich. Im Guten wie im Schlechten&nbsp;\u2013 ich<br \/>\n finde,der\/die AutorIn hat schlicht das Recht, als das wiedergegeben zu<br \/>\nwerden, was er\/sie \u00bbist\u00ab. Gilt zun\u00e4chst mal f\u00fcr alle literarischen<br \/>\nTexte, ob die nun wirklich Literatur <i>sind<\/i> oder als solche <i>gemeint,<\/i> aber leider <i>gescheitert<\/i> sind. Hei\u00dft wiederum: Ich <i>muss<\/i><br \/>\n dahinter verschwinden. Um mich geht es nicht. Ich bin blo\u00df eine Art<br \/>\nKatalysator. Allerdings einer, von dem Kreativit\u00e4t, Improvisationskunst<br \/>\nund vor allem ein unersch\u00f6pfliches <i>Gef\u00fchl<\/i> f\u00fcr die eigene<br \/>\nSprache verlangt wird. Ich gebe allerdings bei aller Nibelungentreue zu:<br \/>\n Ich morde gelegentlich gern ein bi\u00dfchen weiter an einer Leiche herum&nbsp;\u2026<br \/>\nDie Sache mit der Dialektik von Treue und Freiheit hat aber auch<br \/>\neine herrliche, heitere Seite. Ich \u00fcbersetze zum Beispiel am liebsten<br \/>\nLiteratur, die kniffelig, weil sprachverspielt, umgangssprachlich bis<br \/>\nslangig, dreckig, witzig ist, also <i>eigentlich<\/i> nicht<br \/>\n\u00fcbersetzbar. Da kommt\u2019s oft vor, dass ein Witz an einer Stelle partout<br \/>\nkeine Entsprechung hat auf Deutsch&nbsp;\u2013 ich merke mir dann sozusagen, dass<br \/>\nich \u00bbnoch einen gut\u00ab habe und plaziere einen Witz, wo der Urtext gar<br \/>\nnicht so witzig ist. Einfach, damit die Witz-Quantit\u00e4t identisch<br \/>\nbleibt&nbsp;\u2013 also ihre qualitative Bedeutung beh\u00e4lt.<br \/>\n<br \/>\nUnd dann h\u00e4tte ich viertens noch eine widerliche Weiterung des Themas anzubieten: Ich <i>pers\u00f6nlich<\/i><br \/>\n wei\u00df, dass ein deutscher Dialog, der \u00bbich sch\u00e4tze, ich gehe jetzt<br \/>\nbesser nach Hause\u00ab enth\u00e4lt, nur in hom\u00f6opathisch bemessenen<br \/>\nAusnahmef\u00e4llen eine gute \u00dcbersetzung sein kann. In 99,9% der F\u00e4lle ist<br \/>\ner TV-Serien-\u00bbdeutsch\u00ab und erh\u00f6ht meinen pers\u00f6nlichen Magens\u00e4urespiegel.<br \/>\n Aber mit wie vielen Deutschen teile ich sowas eigentlich noch?<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Susanna Mende<\/b>: Ich bin in der<br \/>\nZwischenzeit zwiesp\u00e4ltig geworden, was die \u00bbUnauff\u00e4lligkeit\u00ab von<br \/>\n\u00dcbersetzungen angeht. Was macht man, wenn nun im Original der Text<br \/>\nsperrig ist und gerade darin seine stilistische Eigenheit liegt (immer<br \/>\nunter der Voraussetzung, dass sie auch tr\u00e4gt), wenn absichtlich schiefe<br \/>\nBilder durch ungew\u00f6hnliche Metaphern entstehen? Erst einmal ist es eine<br \/>\nLeistung des \u00dcbersetzers, das zu erkennen, und dann muss er sich<br \/>\n\u00fcberlegen, wie er das ins Deutsche bringt und damit rechnen, dass er von<br \/>\n Rezensenten eins auf den Deckel bekommt.<br \/>\n<br \/>\nWas die Zeitlosigkeit angeht, lieber J\u00fcrgen, m\u00f6chte ich Dir sogar<br \/>\nwidersprechen. Zugespitzt formuliert, behaupte ich, dass es eine<br \/>\nzeitlose \u00dcbersetzung gar nicht geben kann, weil wir immer aus unserem<br \/>\naktuellen Sprachverst\u00e4ndnis, Kulturverst\u00e4ndis etc. heraus \u00fcbersetzen.<br \/>\nDas ist m.E. nicht zu untersch\u00e4tzen. Bestimmt kann man<br \/>\nkultur\/sprachhistorisch begr\u00fcnden, warum Dostojewskis Roman mit \u00bbSchuld<br \/>\nund S\u00fchne\u00ab \u00fcbersetzt wurde und in der aktuellen \u00dcbersetzung \u00bbVerbrechen<br \/>\nund Strafe\u00ab hei\u00dft.<br \/>\n<br \/>\nNat\u00fcrlich zieht es mir auch die Schuhe aus oder reizt zum Lachen,<br \/>\nwenn ich fr\u00fche \u00dcbersetzungen von Chester Himes lese. Kritik ist da<br \/>\ndurchaus angebracht, aber die \u00dcbersetzer mussten erst einmal lernen, mit<br \/>\n dem immensen Zuwachs von Slang und spezifischen Dialogformen etc.<br \/>\numzugehen.<br \/>\n<br \/>\nIch finde es geradezu selbstverst\u00e4ndlich, dass es immer wieder<br \/>\nNeu\u00fcbersetzungen der sog. klassischen Werke gibt (ich pers\u00f6nlich w\u00fcrde<br \/>\nmich gerne mit ein paar Theaterst\u00fccken von Calder\u00f3n de la Barca auf eine<br \/>\n einsame Insel zur\u00fcckziehen; nat\u00fcrlich nur mit Internetzugang, wegen der<br \/>\n Recherchen).<br \/>\n<br \/>\nWie subjektiv die Wahrnehmung von Text sein kann, habe ich in der<br \/>\n\u00dcbersetzerwerkstatt erfahren, wo ich mit einem Dutzend Kollegen an<br \/>\n\u00dcbersetzungen gearbeitet habe. Es war manchmal fast beunruhigend, was<br \/>\nzugleich als gelungen und misslungen empfunden wurde. Und die<br \/>\nBegr\u00fcndungen haben gezeigt, welche Abgr\u00fcnde sich zwischen den einzelnen<br \/>\nKonnotationsfeldern auftun.<br \/>\n<br \/>\nInteressant war f\u00fcr mich au\u00dferdem, festzustellen, wie<br \/>\nunterschiedlich Kollegen an Texte herangehen. Ich habe zwei Extreme<br \/>\nausgemacht: einmal die Strukturalisten, dann die Lexikalisten. Ich<br \/>\nversuche eine kurze Definition: Strukturalisten schauen sich das<br \/>\nGesamtwerk an und versuchen, drei, vier wesentliche Merkmale<br \/>\nherauszufiltern, die charakteristisch sind und eine Art Grundlage f\u00fcr<br \/>\nden Stil der \u00dcbersetzung bilden (es ist z.B. bestechend, wie man mit<br \/>\nkleinen Eingriffen Dialoge von Tempo 30 auf Tempo 70 bringen kann, falls<br \/>\n erforderlich). Dann gibt es die, die sich an den einzelnen Begriffen<br \/>\nentlanghangeln und das Stilbildende mehr von der lexikalischen Seite<br \/>\nkonstruieren. Beides kann zu guten Ergebnissen f\u00fchren. Ich z\u00e4hle mich<br \/>\nselbst eher zu den Strukturalisten. Ich finde, ich habe mehr Freiheiten;<br \/>\n die Bewegungen vom Text weg, um in der \u00dcbersetzung wieder ganz nah an<br \/>\nseinen Gehalt zu kommen, sind gr\u00f6\u00dfer. Wie das dann vom Leser<br \/>\nwahrgenommen wird, tja&nbsp;\u2026<br \/>\nDie Urteilskraft von Rezensenten halte ich deshalb f\u00fcr fragw\u00fcrdig,<br \/>\nweil sie h\u00e4ufig das Bed\u00fcrfnis haben, ihre eigene Sprachkompetenz unter<br \/>\nBeweis zu stellen, wenn sie sich dann der \u00dcbersetzung annehmen. Das<br \/>\nendet meist damit, dass sie nach einem verhaltenen Lob eine x-beliebige<br \/>\nStelle herausgreifen und einen Alternativvorschlag zur \u00dcbersetzung<br \/>\nmachen. Na, vielen Dank! Das hilft weder dem Leser der Rezension noch<br \/>\ndem \u00dcbersetzer weiter.<br \/>\n<br \/>\n<i><b class=\"quest\">Krimi-Couch<\/b>: Wie hat man sich<br \/>\neine \u00dcbersetzung bei Ihnen vorzustellen? Lesen Sie erst das Buch im<br \/>\nOriginal und hangeln sich dann von Satz zu Satz durch? Oder muss man gar<br \/>\n mehrere Werke des Autors lesen, um den Stil herauszufiltern? Helfen<br \/>\npers\u00f6nliche Kontakte zum Autor?<\/i><br \/>\n<\/p>\n<div id=\"ibl\" style=\"width: 150px;\">\n<\/div>\n<p><b class=\"resp\">Peter Friedrich<\/b>: Das Wichtigste an<br \/>\neiner \u00dcbersetzung ist, dass man so etwas wie den \u00bbGeist\u00ab des Originals<br \/>\nr\u00fcberbringt. Im Idealfall w\u00fcrde ein perfekter Zweisprachler bei der<br \/>\nLekt\u00fcre von Original und F\u00e4lschung einen identischen Eindruck gewinnen.<br \/>\nDeshalb lese ich das Original nat\u00fcrlich zuerst komplett durch und<br \/>\nversuche, ein Gesp\u00fcr f\u00fcr diesen \u00bbGeist\u00ab zu bekommen. Wenn m\u00f6gliche, lese<br \/>\n ich auch andere Texte des Autors im Original, aber <i>nie<\/i> andere \u00dcbersetzungen. Zu manchen Geschichten kriege ich trotz aller Bem\u00fchungen keinen Draht und von denen lasse ich die Finger.<br \/>\n<br \/>\nW\u00e4hrend des ersten Durchlesens l\u00e4uft anscheinend irgendwo in meinem<br \/>\nHinterkopf eine Art \u00dcbersetzung mit, die ich nur dann wahrnehme, wenn<br \/>\nmich pl\u00f6tzlich eine besonders passende Formulierung anspringt. Die<br \/>\nschreibe ich sofort auf, denn sonst ist sie unwiederbringlich weg wie<br \/>\nein Traum nach dem Aufwachen, und genau an solchen Stellen habe ich dann<br \/>\n sp\u00e4ter die gr\u00f6\u00dften M\u00fchen gehabt.<br \/>\n<br \/>\nGleichzeitig streiche ich Punkte an, wo Recherchen notwendig sind,<br \/>\nau\u00dferdem Fehler und Undeutlichkeiten im Original (wo z.B. schlecht<br \/>\nlektoriert worden ist) und vor allem die Stellen, in die der Autor<br \/>\noffensichtlich sein ganzes Herz gelegt hat und denen ich besondere<br \/>\nSorgfalt widmen muss. Und jene beim Drehbuch \u00bbPlot-Points\u00ab genannten<br \/>\nWendepunkte der Geschichte, die f\u00fcr Erz\u00e4hlfluss und Dramaturgie so<br \/>\nwichtig sind.<br \/>\n<br \/>\nNach den Recherchen und nachdem ich mit dem Autor (so das m\u00f6glich<br \/>\nist) \u00fcber offene Fragen konferiert habe, gehe ich den Text noch einmal<br \/>\nzur G\u00e4nze durch, bis ich ihn v\u00f6llig verstanden und quasi verinnerlicht<br \/>\nhabe. Die Roh\u00fcbersetzung l\u00e4uft ziemlich schnell, mit etwa zwanzig Seiten<br \/>\n pro Tag. Dann aber weg mit dem Text, mindestens zwei, besser vier<br \/>\nWochen lang, damit ich ihn soweit wie m\u00f6glich wieder vergessen kann. Die<br \/>\n alte Geschichte vom Wald und den B\u00e4umen. In dieser Zeit schreibe ich<br \/>\ndann meistens an eigenen Geschichten und Drehb\u00fcchern.<br \/>\n<br \/>\nDie Roh\u00fcbersetzung bearbeite ich zun\u00e4chst, ohne das Original nochmal<br \/>\n zur Hand zu nehmen, bis Fluss und Rhythmus ins sich stimmig sind und<br \/>\nmit der Erinnerung an das Original korrespondieren. Anschlie\u00dfend wird<br \/>\nder Text ausgedruckt und an ein paar Leute verteilt, die an unstillbarem<br \/>\n Lesehunger leiden. Meistens kommen die Masnuskripte nach etwa einer<br \/>\nWoche zur\u00fcck. Inzwischen habe ich etwas Abstand gewonnen und arbeite<br \/>\nKorrekturen und Kritiken ein, pr\u00e4zisiere Unverstandenes etc.<br \/>\n<br \/>\nErst danach lege ich die \u00dcbersetzung wieder an das Original an und<br \/>\nversuche, die Harmonie zwischen beiden herzustellen. Das kann sich<br \/>\nmehrfach wiederholen, denn zufrieden bin ich eigentlich nie. Ich wei\u00df,<br \/>\ndass ich aufh\u00f6ren muss, wenn ich irgendwann feststelle, dass ich zu<br \/>\neiner fr\u00fcheren Version zur\u00fcckgekehrt bin. Und sobald das Manuskript in<br \/>\nder Post ist, falle ich in ein tiefes Loch. Keine Ahnung, warum.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Pieke Biermann<\/b>: Ich seh das mit dem<br \/>\nGeist ja auch so wie Du, Peter. Ich hab allerdings am Anfang einen<br \/>\nSchuss Galle diesbez\u00fcglich zu verdauen gehabt. Meine allererste<br \/>\n\u00dcbersetzung war n\u00e4mlich eine Katastrophe, wof\u00fcr ich mich heute noch<br \/>\nentschuldige beim Herausgeber, der das alles auszuputzen hatte. Ich war<br \/>\n23, hockte in Italien mang de Revoluzzers und brauchte Kohle, dieweil<br \/>\nich zwei Menschen durchbringen mu\u00dfte. Nein, Kinder hab ich keine, aber<br \/>\nich war \u00f6fter als feministically correct LOK-F\u00fchrerin (LOK = Lover Ohne<br \/>\nKohle, vulgo: Studenten, K\u00fcnschtler). Zu diesem Zeitpunkt sollte ein<br \/>\npolitisch \u00fcberkorrektes Werk meiner damaligen Bezugsgruppe aus dem<br \/>\nItalienischen ins Deutsche \u00fcbertragen werden. Es handelte sich, n\u00fcchtern<br \/>\n gesagt, um ein Werk der Industriesoziologie, enthielt schon im Titel<br \/>\nlauter Komposita, die mit \u00bbKlassen-\u00ab anfangen, und blieb im Prinzip auch<br \/>\n derart \u00bbklassisch\u00ab. Es ging um dito K\u00e4mpfe bei Fiat und Olivetti unter<br \/>\nbesonderer Ber\u00fccksichtigung der Umstruktierung von Flie\u00dfb\u00e4ndern in<br \/>\nProduktionskarusselle und so weiter. Echt geiler Stoff&nbsp;\u2013 ehrlich,<br \/>\ndamals. Ich hatte den \u00bbGeist\u00ab des Ganzen quasi im Leibe. Allein, mir<br \/>\nfehlten praktisch 80% des Wortschatzes f\u00fcr so etwas in meiner \u00bbeigenen\u00ab<br \/>\nSprache. Und&nbsp;\u2013 kein Geist ohne Sprache.<br \/>\n<br \/>\nM\u00f6glicherweise hatte das Ganze auch damit zu tun, dass ich<br \/>\nvor\u00fcbergehend meine \u00bbeigene\u00ab Sprache gro\u00dfz\u00fcgig ad acta gelegt hatte&nbsp;\u2013<br \/>\nich <i>lebte<\/i> (liebte, arbeitete, tr\u00e4umte) in einer anderen.<br \/>\nParadoxerweise war unter den wenigen B\u00fcchern, die ich aus Deutschland<br \/>\nmitgenommen hatte, auch \u00bbDas Kapital\u00ab von \u00bbil vecchio barbuto\u00ab, wie olle<br \/>\n Marx da unten genannt wurde. Ich dachte, das kann praktisch sein&nbsp;\u2013<br \/>\nmeine italo-revoluzzo-Sch\u00e4tzchen waren nicht so <i>ganz<\/i> zitatfest bzw. pr\u00e4zis&nbsp;\u2026<\/p>\n<div class=\"rsubheadline\">\n<h3>\n    Pieke Biermann: \u00bbIch vermute, dass ich tief im Unterbewu\u00dftsein eine Art linguistischer Schizophrenie abgespeichert habe.\u00ab<br \/>\n<\/h3>\n<\/div>\n<p>Ich konnte nicht damit rechnen, dass ich mich irgendwann beim schlichten <i>lesen<\/i> des Werks ertappte und schlimmer noch: am politisch v\u00f6llig unerlaubten <i>genie\u00dfen<\/i><br \/>\n gewisser sehr sprachgewaltiger deutscher Zeilen. Ich hab mich am\u00fcsiert<br \/>\nwie Bolle. Die \u00bbbreim\u00e4uligen Faselh\u00e4nse der deutschen Vulg\u00e4r\u00f6konomie\u00ab<br \/>\nhaben sich seitdem tief in mein Hirn eingegraben. Was all diese<br \/>\nParadoxien zu bedeuten hatten, blieb mir lange undeutlich. Aber ich<br \/>\nvermute, dass ich seitdem tief im Unterbewu\u00dftsein eine Art<br \/>\nlinguistischer Schizophrenie abgespeichert habe. Mir geht es n\u00e4mlich wie<br \/>\n Dir, Peter&nbsp;\u2013 ich brauche immer <i>zwei<\/i> Schreibphasen bei einer<br \/>\n\u00dcbersetzung: eine Rohfassung, die schlicht unlesbar ist (mit L\u00f6chern<br \/>\nbzw. Originalsprach-Brocken, Syntax nicht vorhanden, Hauptsache, alles<br \/>\nis drin), und eine kommunikable. Dazwischen eine Pause. Bei der ersten<br \/>\nPhase kann es soweit gehen, dass ich englisch (italienisch) tr\u00e4ume&nbsp;\u2013 bei<br \/>\n der zweiten darf mir das nicht mal im Traum einfallen.<br \/>\n<br \/>\nDas gilt f\u00fcr Texte, die ich <i>ernst<\/i> nehme. Nicht dass ich nicht jeden Text ernst nehmen <i>m\u00f6chte<\/i>,<br \/>\n aber leider entpuppen sich etliche dann leider doch schnell als<br \/>\nGeblubber mit viel Ambition und wenig Substanz. Ich erkenne das daran<br \/>\n(meistens schon vorher&nbsp;\u2013 aber man immt ja gern hin und wieder mal eine<br \/>\nleichte Arbeit f\u00fcr vergelichsweise gutes Geld), dass ich da mit einer<br \/>\neinzigen Phase auskomme.<br \/>\n<br \/>\nSusanna, Du hast nat\u00fcrlich auch v\u00f6llig recht mit dem Zweifel an<br \/>\nZeitlosigkeit&nbsp;\u2013 es gibt keine Sprache ohne Kontext. Trotzdem hat man als<br \/>\n \u00dcbersetzer daran zu knacken, den \u00bbZeitgeist\u00ab eines Originals irgendwie<br \/>\nkompatibel f\u00fcr die Zeitgenossen eines anderen Sprachraums, manchmal auch<br \/>\n Zeitraums zu machen. Bei Walter Mosleys \u00bbSocrates Fortlow\u00ab- Geschichten<br \/>\n zum Beispiel hab ich versucht, eine Art ideellen<br \/>\nGesamt-Umgangssprachenton zu erfinden, der gleichzeitig jeden \u00bbhohen<br \/>\nTon\u00ab und jeden Hauch von \u00bbkuckma wie da Nigga quatscht!\u00ab Es gab<br \/>\ngl\u00fccklicherweise viel Dialog&nbsp;\u2013 Dialog rettet eine\/n, da ist<br \/>\nSchreiben-wie-Gesprochen oft schon die halbe Atmo. Bei Liza Codys \u00bbGimme<br \/>\n More\u00ab gibt\u2019s eine wunderbare Bandbreite von Sprechweisen und<br \/>\nPerspektiven, die nicht unbedingt punktuell, aber insgesamt ziemlich<br \/>\nidentisch ist im Englischen und Deutschen.<br \/>\n<br \/>\nMit den AutorInnen reden geh\u00f6rt zu meinen absoluten<br \/>\nLieblingsbedingungen! Mit Liza hab ich vier Tage zusammengehockt und<br \/>\nauch hinterher manches austelefoniert. Walter hat leider jegliche<br \/>\nKommunikation verweigert. Er war seinerzeit auf dem H\u00f6hepunkt seiner<br \/>\nDivenhaftigkeit, wozu auch geh\u00f6rt, dass man den deutschsprachigen<br \/>\nBuchmarkt untersch\u00e4tzt, rein finanztechnisch&nbsp;\u2026Aber mir macht\u2019s auch<br \/>\ngro\u00dfen Spa\u00df, mir f\u00fcr alles, was nicht \u00bbmein Beritt\u00ab ist, Fachleute zu<br \/>\nsuchen und mit denen zu reden. Ich quackel halt gern, und die meisten<br \/>\nLeuten mit Spezialkenntnissen freuen sich ein Loch in die M\u00fctze, wenn<br \/>\nmal jemand ihr Wissen haben will und sch\u00e4tzt. Und manchmal hat man damit<br \/>\n wieder ein paar \u00bbbuchferne\u00ab Menschen an der Entstehung von Literatur<br \/>\nbeteiligt&nbsp;\u2013 und wom\u00f6glich zu Lesern (und K\u00e4ufern) gemacht. Kleine Utopie<br \/>\n am Rande.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Susanna Mende<\/b>: Lieber Peter, ich<br \/>\nstaune wirklich \u00fcber die 20 Seiten Roh\u00fcbersetzung, das habe ich bisher<br \/>\nnoch nie geschafft. Bisher waren es h\u00f6chstens zehn. Aber das ist auch<br \/>\nnicht so wichtig.<br \/>\nDas mit dem \u00bbspirit\u00ab stimmt, das hat sehr viel mit Intuition und<br \/>\nSprachgef\u00fchl (in der eigenen Sprache) zu tun. Und dazu braucht man<br \/>\nnat\u00fcrlich auch ein Gef\u00fchl f\u00fcr die fremde Sprache, f\u00fcr die Ebene, das<br \/>\nTempo, das Unterschwellige etc.<br \/>\n<br \/>\nIch stelle immer wieder fest, dass ich 20-30 Seiten brauche, um den<br \/>\nRhythmus zu finden. Deshalb widme ich in der \u00dcberarbeitungsphase dem<br \/>\nAnfang besonders viel Zeit, der holpert meist mehr. Und f\u00fcr die<br \/>\n\u00dcbersetzung gilt dasselbe wie f\u00fcr das Original: Der Leser muss von<br \/>\nAnfang an vom Text gepackt werden.<br \/>\n<br \/>\nWenn ich mich mit einem neuen Autor besch\u00e4ftige, konzentriere ich<br \/>\nmich erst einmal auf das Buch, das ich \u00fcbersetzen soll. Erst sp\u00e4ter<br \/>\n(manchmal erst w\u00e4hrend der \u00dcbersetzung) lese ich andere B\u00fccher, falls<br \/>\nvorhanden. Das geh\u00f6rt einfach dazu, finde ich. Obwohl das f\u00fcr die<br \/>\n\u00dcbersetzung direkt nicht unbedingt hilft. Manche Autoren wechseln ihren<br \/>\nStil mit jedem Buch.<br \/>\n<\/p>\n<div class=\"lsubheadline\">\n<h3>\n    Susanna Mende: \u00bbSpannend finde ich es, wenn mich ein Roman zwingt, mich mit einem Thema zu besch\u00e4ftigen, das ich nicht kenne.\u00ab<br \/>\n<\/h3>\n<\/div>\n<p>Spannend finde ich es, wenn mich ein Roman zwingt, mich mit einem<br \/>\nThema zu besch\u00e4ftigen, das ich nicht kenne. Einmal musste ich mich mit<br \/>\nder Stadt San Francisco vertraut machen. Ich hatte die ganze Zeit einen<br \/>\nStadtplan und diverse Reisef\u00fchrer auf meinem Schreibtisch liegen. Und<br \/>\nnachdem ich die \u00dcbersetzung abgegeben hatte, wollte ich unbedingt nach<br \/>\nSan Francisco reisen, was mir leider bis zum heutigen Tag nicht gelungen<br \/>\n ist.<br \/>\n<br \/>\nEine Herausforderung sind Dialoge. Die lese ich immer wieder laut<br \/>\nvor mich hin. Da darf man nicht h\u00e4ngenbleiben, die m\u00fcssen sehr dynamisch<br \/>\n sein. Und Wort- und Sprachspiele. Die L\u00f6sung daf\u00fcr kann man nicht<br \/>\nerzwingen, damit besch\u00e4ftige ich mich manchmal erst nach getaner<br \/>\n(handwerklicher) Arbeit, sp\u00e4ter am Abend, bei einem Glas Wein, wird mit<br \/>\nBegriffen jongliert, werden Assoziationsketten gebildet, da herrscht<br \/>\nmanchmal Dada im Kopf. Und dann der Moment, wenn man die L\u00f6sung hat und<br \/>\nwei\u00df, das ist es!<br \/>\n<br \/>\n<i><b class=\"quest\">Krimi-Couch<\/b>: Bei dem Aufwand, den<br \/>\n Sie gerade schildern, macht es da nicht generell Sinn, wenn ein Autor<br \/>\nvon immer derselben Person \u00fcbersetzt wird, vergleichbar mit den<br \/>\nSynchronstimmen der Filmgr\u00f6\u00dfen?<\/i><br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Pieke Biermann<\/b>: Die Frage l\u00e4\u00dft sich<br \/>\nmit einem herzhaften JEIN beantworten. Ja&nbsp;\u2013 wenn der\/die Autor\/in \u00bbsich<br \/>\nlohnt\u00ab: spannend bleibt, Spa\u00df macht, eine fruchtbare Herausforderung<br \/>\ndarstellt und es einem\/r \u00bbdankt\u00ab. Nein&nbsp;\u2013 weil man sich von \u00f6den<br \/>\nBeziehungen auch wieder l\u00f6sen d\u00fcrfen sollte. Ich vermute, es gibt in<br \/>\nmaximal 20% aller F\u00e4lle richtig sinnvolle \u00bbPaarungen\u00ab, m\u00f6glichst<br \/>\nlebensl\u00e4nglich. Auch die funktionieren aber nur, wenn \u00dcbersetzerInnen<br \/>\nnicht heimlich ihre eigenen Werke draus machen&nbsp;\u2026<br \/>\n<b class=\"resp\">Peter Friedrich<\/b>: Da stimme ich Pieke<br \/>\nvoll und ganz zu und denke dabei an Erwin Magnus, der praktisch alle<br \/>\nWerke von Jack London in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts ins<br \/>\nDeutsche \u00fcbertragen hat. Und so haben Generationen von Deutschen nie<br \/>\neine ad\u00e4quate \u00dcbersetzung zu lesen bekommen und eine solche ist auch<br \/>\nnicht in Sicht.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Susanna Mende<\/b>: Ich bin noch nicht so<br \/>\nlange im Gesch\u00e4ft, um aus eigener Erfahrung sprechen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAnsonsten trifft Pieke mit der beschriebenen Ambivalenz, glaube ich, den<br \/>\n Kern. Es ist allerdings eine schreckliche Vorstellung, dass man das<br \/>\nzweite, dritte oder vierte Buch nur deshalb nicht \u00fcbersetzt, weil es zum<br \/>\n Beispiel bei einem anderen Verlag erscheint; wenn es einem sozusagen<br \/>\nweggenommen wird, und man kann nichts machen.<br \/>\n<br \/>\nEs spielt nat\u00fcrlich auch eine Rolle, welche pers\u00f6nlichen Erfahrungen<br \/>\n man mit dem Autor\/der Autorin macht. Ist er\/sie kooperationsbereit,<br \/>\nversteht er\/sie die Schwierigkeiten der anderen Sprache (ist nicht immer<br \/>\n der Fall), hat man Spa\u00df mit ihm\/ihr auf Lesereisen etc.<br \/>\n<br \/>\nMir ist \u00fcbrigens aufgefallen, dass \u00dcbersetzer einen ganz<br \/>\nunterschiedlichen Umgang mit ihren Autoren haben. Ich konsultiere meine<br \/>\nbei schwierigen Fragen so oft wie m\u00f6glich. Es gibt Kollegen, die sagen,<br \/>\nwas k\u00fcmmert mich der Autor, ich habe hier vornehmlich mit dem Text zu<br \/>\ntun, was ich in gewisser Weise auch legitim finde, solange sie sich<br \/>\nredlich um den Text bem\u00fchen.<br \/>\n<br \/>\n<i><b class=\"quest\">Krimi-Couch<\/b>:<\/i> Frau Biermann,<br \/>\nSie \u00fcbersetzen nicht nur, sondern sind selbst erfolgreiche Krimi-Autorin<br \/>\n (drei Deutsche Krimi-Preise). Wie ist es denn f\u00fcr eine Autorin, wenn<br \/>\ndie eigenen Werke \u00fcbersetzt werden?<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Pieke Biermann<\/b>: GAAANZ SCHLIMM!!! Weil man als \u00dcbersetzerin f\u00fcr die \u00bbGegenseite\u00ab eine totale <i>pain in the ass<\/i> ist. Sein <i>muss<\/i>.<br \/>\n Man kennt schlie\u00dflich die Tricks, man wei\u00df, was alles dann eben doch<br \/>\ngeht (wenn man nur genug Interesse, Sprachbeherrschung, Kreativit\u00e4t<br \/>\nhat). Es gibt f\u00fcr \u00dcbersetzer eben kein \u00bbeigentlich un\u00fcbersetzbares\u00ab<br \/>\nBuch! Und an der Stelle kann die Autorin die \u00dcbersetzerin in sich nicht<br \/>\nabkoppeln. Da leiden beide wie Hund!<br \/>\n<br \/>\nDie Sache steht und f\u00e4llt also, wie \u00fcblich, mit dem Verlag der<br \/>\nanderen Sprache. Hat der Verleger \u00fcberhaupt Interesse an und Sinn f\u00fcr<br \/>\ngute \u00dcbersetzung? Ist er bereit, daf\u00fcr jemanden notfalls gr\u00fcndlicher zu<br \/>\nsuchen und zu bezahlen? Im Zweifelsfall auch ausf\u00fchrliche Kommunikation<br \/>\nzwischen \u00dc. und A.? In 99.9% der F\u00e4lle&nbsp;\u2013 NEIN.<br \/>\nEs geht dann weiter: Hat der\/die \u00dcbersetzerIn Interesse und Sinn?<br \/>\nIch meine ganz schlichte Dinge&nbsp;\u2013 meine zweite Italienisch-\u00dcbersetzerin<br \/>\nhatte nicht mal einen Stadtplan von Berlin, geschweige denn war sie je<br \/>\nhier gewesen. Sie fand das auch nicht n\u00f6tig. Was soll man da erwarten?<br \/>\n(Der Verlag hat \u00fcbrigens die erste, deren 20 Testseiten ich bekam,<br \/>\nfeuern m\u00fcssen&nbsp;\u2013 sie war grandios: f\u00fcr englische Landprosa des<br \/>\nneunzehnten Jahrhunderts.)<br \/>\n<br \/>\nMeine Franz\u00f6sisch-\u00dcbersetzerin hat wohl ganz brauchbar \u00fcbersetzt,<br \/>\nich kann das nicht selber beurteilen. Habe aber von<br \/>\nFranz\u00f6sisch-LeserInnen geh\u00f6rt, dass die gelacht haben beim Lesen. Dass<br \/>\nmeine Romane was mit Witz zu tun haben, hat sie also wohl begriffen. Ist<br \/>\n es dann wirklich wichtig, dass sie sich als notorische, programmatische<br \/>\n Fernseh- und \u00fcberhaupt Alltagsbanalit\u00e4tenverweigererin gef\u00e4llt?<br \/>\n<\/p>\n<div class=\"rsubheadline\">\n<h3>\n    Pieke Biermann: \u00bbDas Ergebnis kann, wer partout ein Aspirin-Abo verfuttern will, nachlesen. Ich bin lieber gar nicht auf einem Buchmarkt als in total schiefer Gestalt.\u00ab<br \/>\n<\/h3>\n<\/div>\n<p>Das mit dem Witz ist eine Crux. Mein englischer Verleger ist dran<br \/>\ngescheitert. F\u00fcr den war das zuviel&nbsp;\u2013 Kriminales aus Deutschland,<br \/>\nobendrein von einer Frau geschrieben und dann auch noch Witz? Nee! Er<br \/>\nwu\u00dfte auch genau, wie man in Sekundenschnelle potentiellen englischen<br \/>\nBuchverk\u00e4ufern klarmacht, dass ein Buch aus Deutschland kommt: Man tut<br \/>\nein Hakenkreuz aufs Cover. Ich konnte ihn immerhin zur Verkleinerung<br \/>\ndesselben erpressen. Dem hatte ich \u00fcbrigens angeboten, selbst<br \/>\nmitzusuchen, was den\/die ideale\/n \u00dcbersetzerIn angeht. Wir waren uns<br \/>\neinig, dachte ich, dass es vielleicht am besten jemand ist, der\/die<br \/>\nBerlin kennt und den spezifischen Berliner Witz kann&nbsp;\u2013 zum Beispiel eine<br \/>\n j\u00fcdische Emigrantin in New York. Es <i>gab<\/i> die. Die w\u00e4re zu haben gewesen. Aber die wollte er nicht&nbsp;\u2013 es gehe um den <i>britischen<\/i><br \/>\n Markt, nicht den US-amerikanischen. Was findet er? Eine richtig liebe<br \/>\ngeb\u00fcrtige \u00d6sterreicherin, deren Englisch ausschlie\u00dflich kalifornisch<br \/>\ngepr\u00e4gt ist, deren Leidenschaft Frauen sind, die Lesbenbewegung, das<br \/>\nReisen in ferne L\u00e4nder. Herrlich&nbsp;\u2013 wo\u2019s hinpasst. Aber bis nach Berlin<br \/>\nhatte sie\u2019s auch nie geschafft&nbsp;\u2013 und man mu\u00df ja auch nicht unbedingt<br \/>\nverballhornte Schopenhauer-Zitate identifizieren k\u00f6nnen&nbsp;\u2026Gut, die<br \/>\nwirklich liebe Frau wurde auch entbunden. Danach kam ein Crack dran. Ein<br \/>\n hochqualifizierter toller Londoner Kollege, Spezialist f\u00fcr&nbsp;\u2013 Heiner<br \/>\nM\u00fcller und Peter Handke. Das Ergebnis kann, wer partout ein Aspirin-Abo<br \/>\nverfuttern will, nachlesen. Mehr als dieses eine Buch hat dieser<br \/>\nVerleger von mir nicht bekommen.<br \/>\n<br \/>\nDas klingt unertr\u00e4glich arrogant? Ja. Tut\u2019s wohl.Vor allem, weil man<br \/>\n als deutschsprachige Autorin ja \u00bbeigentlich\u00ab vor Gl\u00fcck in die<br \/>\nSchleimspur gehen soll, dass man \u00fcberhaupt \u00fcbersetzt wird. Schlie\u00dflich<br \/>\nkommt man aus einem Land, das in Sachen Literatur ein Importriese, aber<br \/>\nein Exportzwerg ist. Ich tu\u2019s trotzdem nicht. Ich bin tats\u00e4chlich lieber<br \/>\n gar nicht auf einem Buchmarkt als in total schiefer Gestalt. Und ich<br \/>\n\u00e4ndere auch weder Enden, damit sie f\u00fcr irgendeinen Markt kompatibel<br \/>\nwerden, noch nehme ich meinen Figuren die Zigaretten aus dem Mund. Man<br \/>\nhat schlie\u00dflich eine Ehre&nbsp;\u2013 und das, \u00fcbrigens, ist wahrscheinlich auch<br \/>\nimmer noch die beste Definition f\u00fcr meine eigenen<br \/>\n\u00dcbersetzungsprinzipien: Ehre widerfahren lassen.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>: Zu diesem Thema und<br \/>\ndieser Runde m\u00f6chte ich ein Zitat von Herrn G\u00fcnter Grass beisteuern:<br \/>\n\u00bbBeim Schreiben kann ich keinerlei R\u00fccksicht auf die \u00dcbersetzer nehmen,<br \/>\nwenn ich damit anfinge, w\u00fcrde ich in einer faden Allerweltssprache<br \/>\nschreiben, flach, geruchlos und geschmacklos.\u00ab<br \/>\n<br \/>\n<i><b class=\"quest\">Krimi-Couch<\/b>: Frau Mende, Herr<br \/>\nB\u00fcrger, Herr Friedrich: Fraglos geh\u00f6rt zu einer guten \u00dcbersetzung auch<br \/>\neine geh\u00f6rige Portion schriftstellerisches Talent, wie Sie best\u00e4tigt<br \/>\nhaben. Warum schreiben Sie dann nicht selber Romane?<\/i><br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">Susanna Mende<\/b>: An dieser Frage merke<br \/>\nich immer wieder, wie weit \u00dcbersetzen und Schreiben dann doch<br \/>\nauseinanderliegen. Sorry, aber ich versp\u00fcre nicht das geringste<br \/>\nBed\u00fcrfnis, selbst einen Roman zu schreiben (habe extra noch einmal in<br \/>\nmich hineingehorcht). Kleine Aufs\u00e4tze und Kolumnen hin und wieder machen<br \/>\n Spa\u00df, und dabei wird es wohl auch bleiben.<br \/>\n<br \/>\nDie Affinit\u00e4t zum \u00dcbersetzen war hingegen schon immer sehr stark.<br \/>\nAls ich Spanisch lernte, habe ich parallel zum Spracherwerb<br \/>\nRomanpassagen von B\u00fcchern \u00fcbersetzt, die ich einfach verstehen wollte.<br \/>\nIch habe sofort gemerkte, dass mir das sehr gef\u00e4llt.<br \/>\n<br \/>\nWenn Autorschaft, dann ganz anderer Art: \u00fcber Fotos. Meine<br \/>\nspezifische Sicht auf die Welt w\u00fcrde ich, wenn \u00fcberhaupt, \u00fcber<br \/>\nFotografie anderen mitteilen wollen; ich bin eine leidenschaftliche<br \/>\nFotoguckerin, aber \u00fcber das Hobbyknipsen bin ich&nbsp;\u2013 trotz inneren<br \/>\nDrangs&nbsp;\u2013 noch nicht rausgekommen.<br \/>\n<br \/>\n<b class=\"resp\">J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>: Ausschlie\u00dfen m\u00f6chte man<br \/>\n es nicht, das mit dem selber einen Roman schreiben. Allerdings habe ich<br \/>\n das Gef\u00fchl, meine \u00bbschriftstellerischen\u00ab Ambitionen und Aspirationen&nbsp;\u2013<br \/>\nsoweit \u00fcberhaupt vorhanden&nbsp;\u2013 liegen weniger bei der l\u00e4ngeren Prosa als<br \/>\nviel mehr bei der eher k\u00fcrzeren Glosse und Satire; wenn ich die Zeit<br \/>\ndazu finde und der Kopf frei genug ist, dann verfasse ich durchaus mit<br \/>\ngr\u00f6\u00dferem Vergn\u00fcgen Kommentare zum aktuellen Stand der menschlichen<br \/>\n(Tragi-) Kom\u00f6die. (\u00dcbrigens bisweilen auch in fotografischer Form, liebe<br \/>\n Susanna. Ein faszinierendes Medium, von dem ich auch keine Ahnung habe<br \/>\n&#8230;)<br \/>\n<br \/>\nZumindest meiner laienhaften Meinung nach geh\u00f6rt zum literarischen<br \/>\nSchaffen mehr als die F\u00e4higkeit, einigerma\u00dfen geschickt mit dem Wort,<br \/>\nder Sprache umzugehen; es braucht auch Inspiration und eine gewisse Form<br \/>\n von \u00bbGenie\u00ab, den zahlreich vorhandenen Variationen der immer weider<br \/>\ngleichen Grundthemen eine spannende neue Nuance hinzuzuf\u00fcgen. Ich h\u00e4nge<br \/>\ndie Messlatte ziemlich hoch, denn sehenden Auges w\u00fcrde ich kein<br \/>\ndrittklassiges Zeugs produzieren wollen. Davon schwappt Monat f\u00fcr Monat<br \/>\nauch ohne mich mehr als genug auf den Markt&nbsp;\u2026<br \/>\nWas mich nun aber daran erinnert, vielleicht in n\u00e4chster Zukunft<br \/>\nzwei alte Gedanken aufzugreifen, die seit Jahren in einer Hirnwindung<br \/>\nschlummern: N\u00e4mlich zum einen ohne Verlagsauftrag einen von mir sehr<br \/>\ngesch\u00e4tzten Schriftsteller \u00fcbersetzen, dessen Romane schon lange nicht<br \/>\nmehr auf Deutsch erscheinen, weil angeblich oder tats\u00e4chlich kein Geld<br \/>\ndamit zu verdienen ist. Und dann liegt irgendwo in den Tiefen meiner<br \/>\n\u00bbBibliothek\u00ab noch ein bislang unver\u00f6ffentlichtes Romanfragment von<br \/>\nCharles Willeford&nbsp;\u2026Whatever&nbsp;\u2026<br \/>\n<b class=\"resp\">Peter Friedrich<\/b>: Ich schreibe<br \/>\nDrehb\u00fccher. Auf die Weise bin ich auch zum \u00dcbersetzen gekommen. Immer,<br \/>\nwenn es mit eigenen Texten nicht weiterging, weil mich mal wieder dieser<br \/>\n gr\u00e4ssliche leere Bildschirm anglotzte, habe ich ein paar Seiten<br \/>\n\u00fcbersetzt und dann gings wieder. Therapie gegen Schreibblockade,<br \/>\nsozusagen. Anfangs keine bezahlten Auftr\u00e4ge. Aber irgendwann war ein in<br \/>\nDeutschland noch nicht erschienenes Buch komplett \u00fcbersetzt&nbsp;\u2013 Brian<br \/>\nLecombers &#8216;Letzter Looping\u2019 \u00fcbrigens, ein atemberaubend spannender<br \/>\nThriller im Kunstfllieger-Milieu -, der Unionsverlag brachte es heraus<br \/>\nund seitdem \u00fcbersetze ich regelm\u00e4\u00dfig.<br \/>\n<br \/>\nMeinen ersten Roman&nbsp;\u2013 Krimi, was sonst &#8230;&nbsp;\u2013 habe ich gerade in<br \/>\nSpanien beendet, wo er auch spielt. Beim Schreiben hatte ich ein gutes<br \/>\nGef\u00fchl, aber jetzt muss er erst mal ein paar Monate abh\u00e4ngen, bevor ich<br \/>\nsagen kann, ob er wirklich was taugt. W\u00e4re nat\u00fcrlich sch\u00f6n, wenn er<br \/>\ndemn\u00e4chst auf der Krimi-Couch besprochen w\u00fcrde&nbsp;\u2026<br \/>\n<i><b class=\"quest\">Krimi-Couch<\/b>: Sehr gerne! Frau Biermann, Frau Mende, Herr B\u00fcrger, Herr Friedrich&nbsp;\u2013 vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/i><br \/>\n<i>&nbsp;<\/i><br \/>\n<br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">Die Diskussion moderierte <a href=\"http:\/\/www.krimi-couch.de\/krimis\/krimi-couch-team.html#lft\">Lars Schafft<\/a><\/span><\/p>\n<p><u><span style=\"font-size: small;\">Die \u00dcbersetzer<\/span><\/u><span style=\"font-size: small;\">:<\/span><br \/>\n<b>J\u00fcrgen B\u00fcrger<\/b>,<\/p>\n<div class=\"ow\" style=\"text-align: left;\">\n<span class=\"txtsmall\">geboren 1954 im sauerl\u00e4ndischen Halver,<br \/>\nlebt als \u00dcbersetzer in K\u00f6ln und erlaubt sich immer noch den Luxus, der<br \/>\neinen oder anderen Utopie nachzujagen. Er \u00fcbersetzt seit bald zwanzig<br \/>\nJahren, zun\u00e4chst fast ausschlie\u00dflich Kriminalromane (u.a. von Adcock,<br \/>\nBeinhart, Oster und Vachss), sp\u00e4ter auch anderes (z.B. von Armstrong,<br \/>\nEpstein, Hitchens und j\u00fcngst Carey). Aus seiner Feder stammen u.a. die<br \/>\n\u00dcbersetzungen von Patrick Redmonds \u00bbSch\u00fctzling\u00ab, \u00bbDer Tod des<br \/>\nTango-K\u00f6nigs\u00ab und die Sidel-Romane von Jerome Charyn sowie Charles<br \/>\nWillefords Autobiographie \u00bbEin Leben auf der Stra\u00dfe\u00ab.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"txtsmall\"><span style=\"mso-ansi-language: DE;\"><b>Susanna Mende<\/b>,&nbsp; <\/span><\/span><\/p>\n<div class=\"MsoNormal\">\n<span style=\"mso-ansi-language: DE;\">geboren<br \/>\n1965 in F\u00fcssen\/Allg\u00e4u. Spanischstudium in Salamanca, Studium der Hispanistik,<br \/>\nGermanistik und Kunstgeschichte in Hamburg, ein Semester in Madrid. Seit 1997<br \/>\nstaatlich gepr\u00fcfte \u00dcbersetzerin (Diplom). Im September 2002 hat sie den<br \/>\nBerliner Krimisalon ins Leben gerufen. \u00dcbersetzungen von Susanna Mende (u.a.):<br \/>\nRosario Tijeras von Jorge Franco und <a href=\"http:\/\/www.krimi-couch.de\/krimis\/guillermo-arriaga-der-suesse-duft-des-todes.html\">Der<br \/>\ns\u00fc\u00dfe Duft des Todes von Guillermo Arriaga<\/a>.<\/span><\/div>\n<p><span style=\"mso-ansi-language: DE;\">\u00bb Mehr \u00fcber Susanna Mende<br \/>\nauf <a href=\"http:\/\/www.susanna-mende.de\/\">www.susanna-mende.de<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"ow\" style=\"text-align: left;\">\n<\/div>\n<div class=\"ow\" style=\"text-align: left;\">\n<span style=\"mso-ansi-language: DE;\"><span class=\"txtsmall\"><b>Pieke Biermann<\/b>,&nbsp;<\/span><\/span><\/div>\n<div class=\"ow\" style=\"text-align: left;\">\n<span style=\"mso-ansi-language: DE;\"><span class=\"txtsmall\">geboren 1950 in Stolzenau, lebt<br \/>\nals freie Schriftstellerin und \u00dcbersetzerin in Berlin. Sie erhielt<br \/>\nbereits dreimal den Deutschen Krimi Preis, 1991 f\u00fcr \u00bbVioletta\u00ab, 1994 f\u00fcr<br \/>\n \u00bbHerzrasen\u00ab, 1998 f\u00fcr \u00bbVier, F\u00fcnf, Sechs\u00ab. Sie \u00fcbersetzt seit gut<br \/>\nzwanzig Jahren, zuerst mehr aus dem Italienischen, sp\u00e4ter mehr aus dem<br \/>\nEnglischen. \u00dcbersetzungen von Pieke Biermann: Aus dem Italienischen<br \/>\nStefano Benni und Dacia Maraini, aus dem Englischen Walter Mosley, Liza<br \/>\nCody, und Dorothy Parker (Auswahl)<\/span><\/span><\/div>\n<div class=\"ow\" style=\"text-align: left;\">\n<\/div>\n<div class=\"ow\" style=\"text-align: left;\">\n<span style=\"mso-ansi-language: DE;\"><span class=\"txtsmall\"><b>Peter Friedrich<\/b>,<\/span><\/span><\/div>\n<div class=\"ow\" style=\"text-align: left;\">\n<span style=\"mso-ansi-language: DE;\"><span class=\"txtsmall\"><span class=\"txtsmall\">geboren 1956 in Caracas\/Venezuela, dreisprachig<br \/>\naufgewachsen, abgeschlossenes Studium der Theaterwissenschaften,<br \/>\nEthnogeographie und Kunstgeschichte. Seit 1987 Drehbuchautor f\u00fcr Film<br \/>\nund Fernsehen, \u00dcbersetzer und Filmemacher. Peter Friedrich hat u.a. <a href=\"http:\/\/www.krimi-couch.de\/krimis\/garry-disher-drachenmann.html\">Drachenmann von Garry Disher<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.krimi-couch.de\/krimis\/stan-jones-gefrorene-sonne.html\">Gefrorene Sonne von Stan Jones<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.krimi-couch.de\/krimis\/christopher-g-moore-nana-plaza.html\">Nana Plaza von Christopher G. Moore<\/a> \u00fcbersetzt.<br \/>\n        \u00bb Mehr \u00fcber Peter Friedrich auf <a href=\"http:\/\/www.super-thriller.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.super-thriller.de<\/a><\/span><\/span><\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ist ein sehr interessantes Interview von der Krimi-Couch mit vier \u00dcbersetzern zu ihrer Rolle und wie sie gesehen werden &#8211; oder eben nicht (etwas l\u00e4nger, aber gut!): Unbedeutend, unterbezahlt, unsichtbar? Die Krimi-Couch im Gespr\u00e4ch mit den \u00dcbersetzerInnen Pieke Biermann, Susanna Mende, J\u00fcrgen B\u00fcrger und Peter Friedrich Krimi-Couch.de: Herr Friedrich, auf Ihrer Website schreiben Sie, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[92,530,546,547,522,102],"class_list":["post-9839","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unkategorisiert","tag-deutsch","tag-interview","tag-krimi","tag-krimi-couch-de","tag-literaturuebersetzer","tag-uebersetzer","entry"],"jetpack_publicize_connections":[],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9839"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9839"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9839\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10768,"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9839\/revisions\/10768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}