{"id":9830,"date":"2016-07-12T08:28:00","date_gmt":"2016-07-12T08:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/musik.a-z-translation.com\/aktuelle-ubersetzungsproblematik\/"},"modified":"2020-01-03T11:36:42","modified_gmt":"2020-01-03T11:36:42","slug":"aktuelle-ubersetzungsproblematik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/es\/aktuelle-ubersetzungsproblematik\/","title":{"rendered":"Aktuelle \u00dcbersetzungsproblematik"},"content":{"rendered":"<p>Heute steht in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SZ<\/a> ein sehr interessanter Kommentar zum Thema \u00dcbersetzen &#8211; und dessen Schwierigkeit bei den aktuellen Vorkommnissen (hier musste ich auch schon lange \u00fcberlegen, wie ich das schreibe, ohne dass es allzu banal klingt?!) in den USA.<br \/>\nJeder \u00dcbersetzer hat sich sicher schon mit \u00e4hnlichen Problemen konfrontiert gesehen &#8211; sch\u00f6n, dass es mal \u00abvon au\u00dfen\u00bb so gut auf den Punkt gebracht wird:<\/p>\n<p><span style=\"font-size: large;\"><b><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/uebersetzungen-ein-shooting-ist-eben-keine-schiesserei-1.3073437\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ein \u00abshooting\u00bb ist keine \u00abSchie\u00dferei\u00bb        <\/a><\/b><\/span><\/p>\n<div class=\"article-sidebar-wrapper\" id=\"article-sidebar-wrapper\">\n<div class=\"article-sidebar article-sidebar--sticky\" data-bind=\"{&quot;articleSidebar&quot;: {}}\" id=\"article-sidebar\">\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"article entry-summary\">\n<i>Aber wie soll man sonst \u00fcber den Angriff in Dallas<br \/>\nberichten? Warum Gewalttaten in USA sich so schwer \u00fcbersetzen lassen.<br \/>\n                <\/i><\/div>\n<div class=\"authorContainer\">\n<div class=\"authorProfileContainer\">\n<span class=\"moreInfo\"><br \/>\n      <b> <\/b><span style=\"font-size: x-small;\">Von <span data-abbr=\"jhl\" id=\"abbr-jhl\">J\u00f6rg H\u00e4ntzschel<\/span><\/span><br \/>\n    <\/span>\n        <\/div>\n<\/div>\n<p>            <span class=\"opc-anchor opc-anchor-short\"><\/span><\/p>\n<p><span id=\"sharingbaranchor\"><\/span><\/p>\n<p>  Angesichts der Gewalt in den USA versagt beim deutschen Beobachter<br \/>\nnicht nur die Vorstellungskraft, sondern auch die Sprache. Mit<br \/>\n\u00abSchie\u00dferei\u00bb l\u00e4sst sich ein <i> shooting<\/i> wie das von Dallas<br \/>\njedenfalls nicht \u00fcbersetzen. Schie\u00dferei, das klingt nach Clint Eastwood,<br \/>\n wiehernden Pferden und splitternden Whiskeyflaschen, nach Desperados,<br \/>\ndie nichts zu verlieren haben &#8211; einem <i>shootout<\/i>.<\/p>\n<p>  Doch die schlimmste Seite der amerikanischen Waffengewalt, das sind die <i>shootings <\/i> jenseits von Hollywood<i>, <\/i><br \/>\n ausgef\u00fchrt von Leuten, die k\u00fchl vorgehen und oft auf Wehrlose zielen.<br \/>\nUnd w\u00e4hrend \u00abSchie\u00dferei\u00bb eher eine Situation beschreibt, die au\u00dfer<br \/>\nKontrolle ger\u00e4t, ist das Skandal\u00f6se an den <i>police shootings<\/i> ja gerade, dass von einer Eskalation, die den Waffengebrauch rechtfertigen w\u00fcrde, oft keine Rede sein&nbsp;kann.<\/p>\n<p>  Auch f\u00fcr den <i>shooter<\/i> fehlt ein Wort. Der \u00abSch\u00fctze\u00bb ist<br \/>\nMitglied im Trachtenverein. Er tr\u00e4gt eine Armbrust, keine<br \/>\nhalbautomatische Waffe. Selbst als \u00abScharfsch\u00fctze\u00bb kommt er, verglichen<br \/>\nmit dem <i>sniper,<\/i> folkloristisch daher. Er t\u00f6tet \u00fcbrigens immer im<br \/>\noffiziellen Auftrag. Dass die Schie\u00dfk\u00fcnste eines Killers an die der<br \/>\nstaatlich ausgebildeten Scharfsch\u00fctzen heranreichen, ist im Deutschen<br \/>\nnicht&nbsp;vorgesehen.<\/p>\n<p>  Nicht einmal f\u00fcr das transitive Verb <i>to shoot <\/i> gibt es ein<br \/>\n\u00c4quivalent. Im Englischen bleibt erst mal offen, was genau die Kugel<br \/>\nangerichtet hat. Sie hat das Opfer getroffen, Blut flie\u00dft &#8211; das z\u00e4hlt.<br \/>\nIm Deutschen hingegen muss man, um den Vorgang \u00fcberhaupt beschreiben zu<br \/>\nk\u00f6nnen, noch bevor der Pulverdampf verzogen ist, kl\u00e4ren, ob das Opfer<br \/>\nerschossen oder \u00abnur\u00bb angeschossen wurde. Deshalb behelfen sich deutsche<br \/>\n Synchronisierungen englischsprachiger Filmen gern mit Euphemismen wie<br \/>\n\u00abIch hab&#8217; ihn erwischt\u00bb, wenn es im Original \u00abI shot him\u00bb&nbsp;hei\u00dft.<\/p>\n<p>  Besonders bizarr ist der \u00abAmoklauf\u00bb, mit dem man bis vor kurzem immer die <i>school shootings<\/i><br \/>\n \u00fcbersetzte. Damit lassen sich die Tatmotive in eine so unzug\u00e4ngliche<br \/>\nZone der T\u00e4terpsyche verlegen, dass sich die Suche nach rationalen<br \/>\nErkl\u00e4rungen eigentlich er\u00fcbrigt. In den USA spricht man in solchen<br \/>\nF\u00e4llen auch von <i>mass shootings <\/i> und <i> mass killings,<\/i> doch<br \/>\n\u00abMassent\u00f6tung\u00bb ist uns so unheimlich, dass wir sie allenfalls f\u00fcr die<br \/>\nOpfer der Massentierhaltung verwenden. Und \u00abMassenmord\u00bb? Darin waren wir<br \/>\n Deutschen mal sehr gut. Wir wollen das Wort am liebsten gar nicht<br \/>\nmehr&nbsp;verwenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute steht in der SZ ein sehr interessanter Kommentar zum Thema \u00dcbersetzen &#8211; und dessen Schwierigkeit bei den aktuellen Vorkommnissen (hier musste ich auch schon lange \u00fcberlegen, wie ich das schreibe, ohne dass es allzu banal klingt?!) in den USA. 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