{"id":12467,"date":"2020-05-21T11:08:35","date_gmt":"2020-05-21T09:08:35","guid":{"rendered":"https:\/\/musik.a-z-translation.com\/?p=12467"},"modified":"2020-05-21T11:08:37","modified_gmt":"2020-05-21T09:08:37","slug":"bittersuesse-freiheit-in-zeiten-von-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.a-z-translations.com\/en\/bittersuesse-freiheit-in-zeiten-von-corona\/","title":{"rendered":"Bitters\u00fc\u00dfe Freiheit in Zeiten von Corona"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Ein Erfahrungsbericht aus Sch\u00fclerperspektive<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Mir pers\u00f6nlich hat die neue Situation, die wir als Sch\u00fcler\n\u201edank Corona\u201c erfahren durften, viele wertvolle, neue Erfahrungen gebracht \u2013\nsowohl positive als auch negative. Zu Beginn war es eine Herausforderung, mit\nden Ver\u00e4nderungen in allen Bereichen des Lebens umzugehen und sich\nzurechtzufinden. Ich sch\u00e4tze einmal, dieser Aussage kann jeder nur zustimmen,\ndenn wir waren alle auf unterschiedliche Art und Weise von der Pandemie\nbetroffen. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich selbst fielen einige Aktivit\u00e4ten aus meinem\nAlltagsleben weg und neue Perspektiven entstanden. Durch die\nAusgangsbeschr\u00e4nkungen und ihre Auswirkungen auf die Gastronomie war ich nicht\nmehr in der Lage, meinem Nebenjob nachzugehen. Zum Gl\u00fcck hatte ich noch\ngen\u00fcgend \u00dcberstunden vom Winter, konnte somit einfach Stunden abbauen und sah\nkeine K\u00fcrzungen auf meinem Lohnzettel. Das war allerdings bei manchen meiner\nArbeitskollegen nicht der Fall, da einige von ihnen bereits vor der Krise\nMinusstunden angeh\u00e4uft hatten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ende April durfte der Verkauf im Caf\u00e9 wieder \u00f6ffnen und alle\nwaren froh \u00fcber die Nachricht, wieder arbeiten zu d\u00fcrfen; dennoch herrschte\neine gewisse Zukunftsangst. Ich war gl\u00fccklicherweise nicht von Geldsorgen\ngeplagt, da meine Mutter seit Beginn der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen von zuhause aus\narbeitete und ihre Firma keine Kurzarbeit angemeldet hatte. Mein Arbeitgeber\nsah durch die Ausgleichung des Stundenkontos auch keinen Grund, mein Gehalt zu\nk\u00fcrzen, und auch die BAf\u00f6G-Zahlungen kamen weiterhin. Leider sah es bei manchen\nKlassenkameraden weniger gut aus: Sie verloren ihren Nebenjob, da ihre Firmen\nKurzarbeit angemeldet hatten und sich Aushilfen nicht mehr leisten konnten;\nteilweise waren auch noch ihre Eltern vom Arbeitsausfall betroffen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zimmer aufr\u00e4umen gegen die \u00d6de des Alltags<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Manche meiner Schulfreunde beschrieben ihren Alltag wegen\nwegfallender Hobbys als sehr langweilig, \u00f6de und eint\u00f6nig. Andere hingegen\nentdeckten neue Besch\u00e4ftigungen f\u00fcr sich (stricken, spazieren gehen,\nErkundungstouren durch die Nachbarschaft, sich online zum Sport oder zum Tee\nmit Freunden verabreden, Entdeckung neuer Lieferservices und anschlie\u00dfende\nDiskussionen mit der Waage). Gewisse sportliche Aktivit\u00e4ten kann man im eigenen\nLebensraum selbst aus\u00fcben, die M\u00f6glichkeiten eines Fitnessstudios hat man zu\nHause allerdings nicht. F\u00fcr mich fiel das Schwimmen im Schwimmbad mit Freunden\nweg (in der Badewanne zu Hause war es doch etwas kompliziert), und Yoga-Kurse,\nan denen ich zuvor teilgenommen hatte, wurden gestrichen oder versuchsweise\nonline gehalten. Als neue Besch\u00e4ftigungen kamen hinzu: mal ein Buch ganz\nfertiglesen, etwas aufw\u00e4ndiger kochen (da man jetzt endlich mal Zeit daf\u00fcr\nhatte) und mit meiner Mutter einen t\u00e4glichen After-Work-Spaziergang machen.\nAuch das neue Streaming-Angebot von Disney+ kam genau zum richtigen Zeitpunkt\nund man konnte sich in seine Kindheitserinnerungen und Kindheitsserien\nfl\u00fcchten, wenn die Zukunft einem Sorgen bereitete. Sogar das Zimmer aufzur\u00e4umen\nmachte irgendwann Spa\u00df &#8230; Erschreckend &#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Da ich nun mehr Zeit zur Verf\u00fcgung hatte, meine zw\u00f6lf\nWochenstunden in der Arbeit wegfielen und wir auch nicht mehr in die Schule\ngehen durften, hatte ich die perfekten Voraussetzungen, um mich f\u00fcr die\nAbschlusspr\u00fcfungen Ende Mai vorzubereiten. Ich war sozusagen komplett auf mich\nallein gestellt; eine grobe Richtung wurde von den Lehrkr\u00e4ften vorgegeben, die\nuns mit Unterrichtsmaterialien versorgten und mittels Live-Sessions den Kontakt\nzu uns aufrechterhielten. Trotzdem war das nur der Rahmen und die eigentliche\nHerausforderung stellte das eigene Zeitmanagement dar. Es war eine neue,\nungewohnte, noch nie dagewesene Situation, mit der sich jeder erst einmal\nanfreunden musste. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Schlafanzug zum Online-Unterricht<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Im Februar hatte jeder noch sein gewohntes Leben: aufstehen;\ngestresster Weg zur Schule; Parkplatzsuche und darauffolgender Anschiss der\nLehrer, wenn man es mal wieder nicht p\u00fcnktlich in den Unterricht geschafft\nhatte; Schule bis ca. 15 Uhr; in die Arbeit; Hausaufgaben machen; schlafen. <\/p>\n\n\n\n<p>All das \u00e4nderte sich schlagartig zu: aufstehen; im\nSchlafanzug vor den Laptop hocken; versuchen, wach zu werden, w\u00e4hrend man sich\nin den Online-Unterricht einloggt; f\u00fcr kurze Zeit aufmerksam zuh\u00f6ren; dann\nInternetprobleme; lange, laute und hitzige Diskussionen mit dem Router, gefolgt\nvon Wutausbr\u00fcchen; kurz vor Ende der Unterrichtsstunde schlie\u00dflich wieder\nonline; dann 45 Minuten Pause bis zur n\u00e4chsten Unterrichtseinheit; panisches\nKochen; mit hei\u00dfem Essen in der Hand einen Sprint von der K\u00fcche zum\nArbeitsplatz hinlegen, um rechtzeitig anwesend zu sein; dann auch noch das\nGl\u00fcck haben, beim Essen unterbrochen zu werden, um dolmetschen zu m\u00fcssen; nach\ndem ganzen anstrengenden Unterricht erst einmal ein Nachmittagsschl\u00e4fchen\neinlegen; sich anschlie\u00dfend aufraffen, ein paar der bereits lange \u00fcberf\u00e4lligen\nAufgaben bei anderen Lehrern abgeben; seiner Seele dann einen ruhigen\nSpaziergang g\u00f6nnen; abschlie\u00dfend mit Freunden via Houseparty oder WhatsApp\nvideochatten, um in seinen eigenen vier W\u00e4nden nicht ganz allein durchzudrehen,\nsondern gemeinsam; dann schlafen und sich mental auf den n\u00e4chsten anstrengenden\nTag vorbereiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Spa\u00df beiseite: Ich hatte durch das Online-Lernen die\nM\u00f6glichkeit, Online-\u00dcbersetzungssoftwares zu nutzen und besser kennenzulernen.\nAuch die digitale Korrektur der Arbeiten durch die Lehrer half mir sehr, da ich\nbereits seit zwei Jahren alle meine Dokumente auf dem Laptop bearbeite. Wir\nkonnten unseren Lehrern zu jeder Zeit schreiben und bekamen oft schnelle\nR\u00fcckmeldung. Sie versuchten uns, so gut es ging, durch diese Zeit zu bringen.\nHilfreich waren vor allem vorgegebene Deadlines, da man dann f\u00fcr sich selbst\npriorisieren konnte, was wann f\u00e4llig war. Die Online-Sessions fand ich\ntats\u00e4chlich auch sch\u00f6ner, als nur einen Auftrag zu bekommen, da man direkten\nKontakt hatte und R\u00fcckfragen einfacher mit den Lehrern besprechen konnte.\nAllerdings waren diese Stunden manchmal ung\u00fcnstig von den Uhrzeiten her, da\nsich die Lehrer am normalen Stundenplan orientierten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Nachteil des digitalen Unterrichts:\nWir&nbsp;verlernten (fast) das Schreiben mit der Hand. Das klingt vielleicht\nein wenig absurd, jedoch mussten bzw. konnten&nbsp;wir nichts mehr in handschriftlicher\nForm einreichen. Somit stellten bei den Reden, die wir im Fach\nVortragsdolmetschen in die andere Sprache \u00fcbertrugen, nicht die\nSprachbarriere&nbsp;oder die Verdolmetschung ein Problem dar, sondern wir kamen\nhaupts\u00e4chlich beim Notizennehmen an unsere motorischen Grenzen. Bis zu den\nAbschlusspr\u00fcfungen musste dieser Trainingsr\u00fcckstand nat\u00fcrlich wieder aufgeholt\nwerden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ablenkung und Disziplin im Home-Office<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>In Hinblick auf die Pr\u00fcfungsvorbereitungen sah es am Anfang\nerfolgversprechend aus, da wir in der ersten \u201eschulfreien\u201c Woche noch sehr\nwenige Aufgaben von den Lehrkr\u00e4ften bekamen. Also hatten wir Zeit, uns mit\nStoffzusammenfassungen oder der \u00dcberarbeitung unserer Glossare zu befassen. Als\nder Unterricht dann online ins Rollen gebracht wurde, fiel das etwas unter den\nTisch. Man war haupts\u00e4chlich damit besch\u00e4ftigt, die regelm\u00e4\u00dfig zugesandten\nAufgaben zu erledigen, und hatte nebenbei kaum Zeit f\u00fcr andere Dinge. Teilweise\nf\u00fchlte es sich an, als w\u00fcrde man mit den Deadlines regelrecht jonglieren, da\nimmer wieder neue Texte darauf warteten, \u00fcbersetzt zu werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach hatten wir zwar durch das eigene\nHome-Office mehr Freiheiten und Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, wir ben\u00f6tigten aber\ngleichzeitig Disziplin und Willensst\u00e4rke. Nicht jeder funktionierte ganz ohne\nDruck, manch einer lie\u00df sich schnell und leicht ablenken, andere wiederum\nbearbeiteten ihre Aufgaben sehr z\u00fcgig und hatten somit mehr Zeit f\u00fcr anderes\nzur Verf\u00fcgung. Das eigene Arbeiten von zu Hause aus ist, denke ich, nicht f\u00fcr\njeden geeignet, aber wir hatten jetzt die M\u00f6glichkeit, einen kleinen Einblick\nin den Arbeitsalltag eines \u00dcbersetzers im Home-Office zu bekommen. Dadurch\nkonnte man sich ein St\u00fcck besser kennenlernen, denn jeder verbrachte ja die meiste\nZeit mit sich selbst. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leben mit der Unsicherheit<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Zeit mit sich selbst bedeutet aber auch Zeit zum Gr\u00fcbeln.\nLeider wurde das Lernen durch die Ungewissheit nicht unbedingt leichter. Wir\nwussten in dieser Situation nicht, was wann auf uns zukommen w\u00fcrde: ob die\nfehlenden Klausuren noch nachgeholt w\u00fcrden, ob wir dieses Schuljahr \u00fcberhaupt\neinen Abschluss bek\u00e4men, ob wir in wenigen Monaten unbesorgt in das\nArbeitsleben und somit vollst\u00e4ndig in das Erwachsenenleben eintauchen d\u00fcrften.\nDas war aus unserer Sicht ein wenig be\u00e4ngstigend, da wir einfach nicht planen\nkonnten. Manche Klassenkameraden sahen sich zudem auch schon nach Wohnungen in\nGro\u00dfst\u00e4dten um, und diese essentiellen Zukunftsfragen konnten sehr erdr\u00fcckend\nwirken. <\/p>\n\n\n\n<p>Corona ver\u00e4nderte alles. Da war es dann manchmal auch\nschwierig, seine Freunde nur digital treffen zu k\u00f6nnen. Wobei das immer noch\nbesser ist als gar nicht. Und was viele am meisten \u00fcberraschte: eine gewisse\nSehnsucht nach Schule. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Sabrina Schwab, FAE 3 der Fachakademie f\u00fcr \u00dcbersetzen &amp; Dolmetschen Weiden\/Opf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Photo: A. Betz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Erfahrungsbericht aus Sch\u00fclerperspektive Mir pers\u00f6nlich hat die neue Situation, die wir als Sch\u00fcler \u201edank Corona\u201c erfahren durften, viele wertvolle, neue Erfahrungen gebracht \u2013 sowohl positive als auch negative. Zu Beginn war es eine Herausforderung, mit den Ver\u00e4nderungen in allen Bereichen des Lebens umzugehen und sich zurechtzufinden. 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